Die Frau – Sprüche 31,10-31

Jeden Freitag Abend an der Schabbat-Feier singt der Hausvater die Zeilen aus Sprüche 31,10-31 seiner Gattin vor.  Dies sind 22 Sätze, die jeweils in der Reihenfolge des hebräischen AlephBeth beginnen. Sie beschreiben die Güte der Frau des Hauses. 

Jeschua HaMaschiach, Jesus unser Messias, vergleicht sich mit dem Bräutigam und seine Jünger mit der Braut (zBsp in Markus 2,18-22). Diese 22 Verse in Sprüche 31 beschreiben uns, seine Jünger, seine Braut. Sie geben uns Wert und Weisung.

1 – Aleph: 

Der erste Vers beginnt mit אשׁת AST, Frau, 1_300_400:

“Eine tüchtige Frau, wer findet sie? / Sie übertrifft alle Perlen an Wert.”

Jeschua sucht seine Braut. Sie ist ihm mehr Wert als eine Perle. In Matthäus 13 erzählt Jeschua: 

44Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

45Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.

46Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.

Wir, seine Jünger, sind diese Perle, die Jeschua, findet. Wir sind diese Frau, die hier beschrieben wird! Jeschua sucht uns und möchte eine Beziehung haben mit uns.

„Schabbat Shalom“

Soli Deo Gloria

Soli Deo Gloria – Gott allein die Ehre! Das ist eine Herzenshaltung, die wir schon seit mehreren Jahren üben. Angefangen hat das in unserer DTS (Jüngerschaftsschule von Jugend mit einer Mission), als eine Mitstudentin am Ende des Tages vorschlug eine „Thankfulround“ zu machen. (Eine Runde, in der jeder sagt wofür er/sie dankbar ist, wobei niemand wiederholen darf, was ein anderer vorher schon gesagt hat. Etwas später arbeiteten wir mit einer Familie zusammen, die auch etwas ähnliches tat. Für sie war es wie ein Tischgebet. So haben diese „Dankbarkeitsrunden“ auch in unserer Familie Einzug gehalten.

Wir haben diese Runden schon in allen möglichen und unmöglichen Situationen gemacht. In Situationen, in denen alles rund lief und unsere Herzen von Dankbarkeit überflossen und wir beinahe kein Ende fanden mit Danken. Wieder andere Situationen gab es, in denen wir lieber „Jammerrunden“ gemacht hätten als „Dankbarkeitsrunden“, denn das Jammern wäre uns viel einfacher gefallen. In diesen Momenten war es extrem schwierig etwas zu finden, wofür man dankbar sein kann. Und doch – nach einer Runde mühsamem Suchens wofür man – um Himmels willen – dankbar sein könnte, wenn der Tag einfach nur „versch…“ gelaufen ist, setzt mein Mann uns manchmal die Herausforderung noch eine zweite Runde zu machen. „Kommt schon! Was gibt es sonst noch etwas, wofür wir wir dankbar sein können!“ und die Suche geht von vorne los. Die Stimmung am Tisch verändert sich spürbar. Wir hören, wofür andere dankbar sind und finden etwas wofür wir dankbar sein können und wir merken, dass es uns eigentlich gar nicht so schlecht geht, wie wir gedacht haben. Der Strudel mit negativen Gedanken, der uns gefangen nehmen will und in dem wir uns um uns selbst drehen wird unterbrochen.

In den abstrusesten Situationen haben wir Dankbarkeitsrunden gemacht. Beispielsweise als David mit zwei Freunden auf der Autobahn in England eine Autopanne hatte, das geliehene Auto in die Werkstatt bringen musste und die Ausstellung unseres Parkour-Panels in der Schwebe stand, weil das das Material im geliehenen Auto zum Aufbau gebraucht wurde; Oder am Ende des Geldes immer noch so viel Monat übrig war; Oder wir in England im Einsatz waren mit einer DTS und mit den Studenten und der Finanzierung einfach alles zu viel wurde und wir nicht wussten, ob die DTS überhaupt zu Ende durchgeführt werden konnte…

All dieses Suchen nach dem Guten, nach dem wofür wir dankbar sein können, endet für mich immer wieder in dem einfachen Satz – Gott allein die Ehre! Zu Beginn eines neuen Jahres überlege ich mir gerne, was ich mir für das neue Jahr wünsche oder unter welchem Satz ich in das neue Jahr starten will oder welcher Satz mich im neuen Jahr begleiten soll. Dieses Jahr wird es – Soli Deo Gloria.

05:03 Migdol

Heute Nacht wachte ich auf mit dem Refrain von Martin Peppers Lied „Auge im Sturm“:

Du bist ein starker Turm
Du bist das Auge im Sturm
Du sprichst zum aufgewühlten Meer
Meiner Seele in mir, Herr
Friede mit Dir, Friede mit Dir

Die Uhrzeit war 05:03 Uhr. Zusätzlich erwachte ich mit dem Wort „Migdol“. Dies bedeutet „Turm“ in Hebräisch.

Die Herrenhutter Losung am 05.03. dieses Jahres war Sprüche 18,10:

Der Name Jahwes ist ein starker Turm; der Gerechte läuft dahin und ist in Sicherheit.

Die zwei Worte „stark“ und „Turm“ haben beide den Totalwert 77:

77 40_3_4_30 גדלM MGDL | Turm

77 70_7 עז aZ | starker

Gott übergab den Menschen die Autorität über die Fische, Vögel und alle anderen Tiere (Gen 1,28) Und er forderte Adam und Eva auf, ihren Lebensraum zu pflegen und zu schützen (Gen 2,16). Aber die erste Menschheit missbrauchte die Autorität für eigennützige Zwecke. Der mächtigste Mensch hatte eine solche Macht, dass er die anderen Menschen bedrohte mit 77-facher Rache, wenn ihm etwas zustossen sollte. Seine Missetaten hingeben blieben ungeahndet. (Gen 4,23+24).

„Elohim“, das Wort das im Alten Testament für Gott steht, bedeutet laut Rabbi Tovia Singer „alle Mächte“ (siehe hier Minute 34. Vortrag ist aber mit Vorsicht zu geniessen). „ALH“ bedeutet Macht und JM werden angehängt bei einem männlichen Nomen. Also in Gott sind alle Mächte vereint. Er ist der Allmächtige. Das Wort Elohim kommt in den ersten zehn Kapiteln der Bibel, der Zeit der ersten Menschheit, 77mal vor. Er ist die wirkliche Macht im „Hintergrund“.

Aber im Gegensatz zu Lamech (Gen 4, 23+24) braucht er seine Macht, um Menschen, die ihm vertrauen, Schutz zu geben. Er ist der starke Turm, der Sicherheit gibt.

Erst Jesus wurde dann zum Menschen, der diesen Schutz auch als Mensch auslebte: Durch seine Tat am Kreuz brachte er Vergebung statt Rache. Vergebung wird zur grössten Kraft auf Erden, denn sie nimmt dem Angreifer die Kraft über sein Opfer. Äusserlich mag dies anders aussehen, aber innerlich und auf ewige Perspektive gesehen, kann keine Macht der Welt sich dem Menschen bemächtigen, der seinen Schutz in Jesus sucht.

Jesus verschiebt das Machtgefüge von Rache hin zu Vergebung. In Matthäus 18,22 löst er den Machtanspruch Lamechs auf und ersetzt ihn mit der Kraft der Vergebung:

21Da wandte sich Petrus an Jesus und fragte: »Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er immer wieder gegen mich sündigt? Siebenmal?« – 22»Nein«, gab Jesus ihm zur Antwort, »nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal!«

Wenn wir Jesus vertrauen, dann wird er unser starker Turm der Sicherheit.

Eine Meldung aus Frankreich

Nun melde ich mich auch wieder einmal zu Wort. 🙂 Die letzten Wochen waren vollgepackt mit Vorbereitungen für unseren Aufenthalt im Süden Frankreichs. David und ich sind nun seit wenigen Wochen Teilnehmer einer Schule für Anbetung, Fürbitte und Prophetie. (WIP School – YWAM Cévennes / YWAM Cévennes (jem-cevennes.com)

Was hat uns bewogen diesen Schritt zu gehen? Tja, das habe ich mich auch schon gefragt: „Echt jetzt? Nochmals eine Ausbildung? Wird es nicht langsam Zeit sesshaft zu werden oder in einen Dienst einzusteigen oder einen Dienst aufzubauen?“ Offensichtlich nicht, denn das Verlangen hierher zu kommen hat während den ganzen Vorbereitung und Hürden, die zu überwinden waren, nicht nachgelassen und mein Wunsch drei Monate in der Gegenwart Gottes zu verbringen ist nur noch intensiver geworden. (Obwohl es sicher genügend verstandesmässige Gründe gab/gibt nicht zu gehen).

Eine Heidenangst hat mir dieser neue Schritt gemacht. Es ist nicht so sehr das Weggehen, das ich fürchtete, sondern genauso das Bleiben. Das Bleiben an einem Ort, bequem zu werden und nicht mehr beweglich und spontan zu sein. Ich begann mich vor der Bequemlichkeit zu fürchten. Ich fürchtete meinen Hang zur Sicherheit, der zunahm. Ich fürchtete mich vor einer Abhängigkeit von einem Job oder einer Institution, denn alles was ich wollte und will ist, meinem Gott zu folgen, Neues zu entdecken, Menschen zu treffen und ihnen zu dienen, Länder und Kulturen zu erfahren, Königreich Gottes zu bauen… Vielleicht fürchte ich auch, dass ein Prophet in seinem Land nichts gilt, dass meine Stimme verklingt ohne gehört zu werden, meine Lebendigkeit im Treiben des Alltags verschüttet wird, mein Sehnen keine Nahrung bekommt und durch verstandesmässige Antworten zum Schweigen gebracht wird.

Darum sind wir hier, umgeben von der Geschichte der Hugenotten, der Seidenspinnerei und dem Mittelalter und machen unsere Herzen auf, um zu erfahren, was Gott auf dem Herzen hat und um seine Gegenwart zu erfahren.

Sukkot

Tonight is the beginning of the jewish celebration “Sukkot”, the feast of tabernacles: „You are to dwell in booths for seven days. All the native-born of Israel must dwell in booths, so that your descendants may know that I made the Israelites dwell in booths when I brought them out of the land of Egypt. I am the LORD your God.’ ” (Lev. 23,42-43)

The word for booths here is “Sukkot”, sKT, 60_20_400, and that is also the jewish name for this feast. It appears for the first time when Jacob goes away from Esau he goes to Sukkoth and builds “Sukkots”, booths, for himself and his animals. Later he goes further into the land of Canaan. 

The next time “Sukkot” appears is when the people of Israel finally leave Egypt, they start from Ramses and march to Sukkoth. From there they start their journey to Canaan, the promised land. Again the Sukkot is the dwelling place in between. In between the world of two towards the world of one, of unity. From the world where Good and Evil live alongside each other towards the place of rest where there is peace and oneness: From Egypt, Mizrajim, 40_90_200_10_40 with the total value of 380, towards Canaan, 20_50_70_50 with the total value of 190. (380  = 190 *2). And the Sukkot is the temporary dwelling place inbetween.  

In 1. King 6 is said that in the 480th year after the exodus of the people of Israel, in the 4th year of King Solomon in the second month of the year, Solomon starts to build a house for YHWH. But it is only a Sukkot, a temporary dwelling place for JHWH. The total value of the word “Sukkot” is 480. The final dwelling place will be the Golden City, where God will dwell in the midst (Revelations 21+22). In that house there are many flats (John 14, 2). The word in Greek for City is poljn, 80_70_30_10_50 with the total value of 240 ( 480 = 2 * 240 ). There will be the dwelling place in unity with God. 

Also the heaven is a Sukkot for God as also Jesus speaks about the father in heaven. The 480th word of the bible is “heaven”, SMJM, 300_40_10_40, with a total value of 390. It is in the 4th verse of the second chapter. In this verse the name of God, JHWH, appears for the first time. He has a house to dwell in now. The bible starts with Beth, the second letter of the AlephBeth, which means “house”. God builds himself a Sukkot in the first chapter but then in the second chapter of the bible he finds his final dwelling place in the human beings. Or actually till he really finds that place it needs the whole rest of the bible. 

God lives on the inside. The Hebrew word for inside appears the first time also in 1. Kings 6 talking about the holy of holies:  5_80_50_10_40_10, HPNJMJ with a total value of 195. Heaven, 390, is God’s dwelling place during the time of the duality of heaven and earth. But he will be on the inside, 195, when heaven and earth come together in the Golden City.

„The kingdom of God is within you“

In Luke 17,21 Jesus says: The kingdom of God is not here or there but „the kingdom of God is within you.“ Most German translations say: The kingdom of God is in your midst. But could it be that Jesus really meant that the kingdom of God is in us? 

The word for „within“ in Greek appears in this form twice in the whole new testament. The second time is in Matthew 23,26. Jesus speaks to the Pharisees about cleaning first the inside of the cup and then the outside will be cleansed as well. The same word “entos” means the “inside” here. This allows clearly to come to the conclusion that Jesus meant; the kingdom of God is in our inside. But what a radical thought!

But it makes sense if we think of Matthew 6,10: “Thy kingdom come, your will be done, on earth as it is in heaven.” From a sanctified inner being, a sanctified life on earth will unfold.

B`reshit – with wisdom

Could it be that the best translation of the first sentence of the bible would be: “With a first cause of wisdom God created the heavens and the earth.” At least the 2100-year old translation from the hebrew into aramaic formulated it that way. And indeed, I see this confirmed within the numbers of that first sentence.

Wisdom as a word is not present within these first seven words of the bible. Wisdom is written with four letters: חכמה CKMH, 8_20_40_5. The total value of these four letters is 73. The sum of all the seven words in Genesis 1,1 is 2701. The only way to write that number in a product is 37*73. There I seewisdom” already present inlayed within the number 73. And even further 2701 is the 73th triangular number; 1+2+3+…+72+73= 2701. All parts of wisdom are summarized together in that first sentence of the bible. So, there is a strong connection between the word “wisdom” and the numbers present in this first sentence.

But Gerald Schroeder shows a different way of how to come to this conclusion. He quotes a bible commentator from the middle ages: Rabbi Solomon ben Isaac (1040-1106 AC)**. Rabbi Solomon pointed out that the first word of the bible “Bereshit” is a compound word out of “B`” and “reshit”. “B`” means “with” or “in” and “reshit” means “a first cause”, “chief”, “firstfruit” or “first in time”(beginning). 

Schroeder explains the problem with the well known translation: “A traditional translation of that crucial verse is „In the beginning God created the heavens and the earth.“ That is the traditional reading. But there is a problem here. Bereshit in its simple sense translates as „In the beginning of.“ But there is no object in the Hebrew text for the preposition „of.“ We would read „In the beginning of God created the heavens and the earth.“ In the beginning of what?”

“In the beginning”  would be written “bereshona” but it is written “bereshit”.*** The “t” in the end asks for an object. That’s why some translations turn the verb “created” into the object “creation”: In the beginning of God’s creation of the heavens and the earth.Both translations seem to be missing something: one turns the verb into an object and the other ignores the “t” ending of the first word of the bible. 

Many hebrew words of the bible are compound words. For example “and” is not a separate word in biblical hebrew but, rather to say “and” the sixth letter of the Alephbeth is placed before the word that is to be connected. If the second letter “beth” stands before a word it means “in” or “with”. 

“B`reshit” therefore would mean with or in “reshit”. This word “reshit” appears the first time as a solely standing word in Genesis 10,10.* Reshit is often translated either with beginning, firstfruits, first or chief. Or as Schroeder puts it: “the first cause”. A fruit is the cause of the tree’s activities. And “reshit” is the first cause, the first product of the tree. 

Rabbi Solomon points to proverbs 8,12 where wisdom speaks in the first person singular: “I, wisdom…” I don`t know of any other place where an abstract person speaks in the bible (other than God himself and the Angels). Later in proverbs 8,22 „The LORD brought me forth as the first of his works, before his deeds of old.” or as Schroeder translates freely: “God made me as the beginning of God’s way.“ So, Rashit, the firstfruit of God, is “wisdom” that was created in the beginning before the heavens and the earth was made (read Proverbs 8,22-30). 

Schröder, as a jewish scientist, goes on pointing out that quantum physics has told us that the substrate of the universe, the fundamental layer of the universe, is wisdom (or Information). This makes such a beautiful connection between the words of the bible and science:

Genesis 1,1 says “With the first cause of wisdom the heavens and the earth was made.” In Psalm 33:6 it is written: “With the word of God the heavens were made.” John 1,1 speaks about the logos: “In the beginning was the word…” And science comes to the same conclusion that underneath all there is information. 

As a believer in Jeshua Ha Mashiach we find even more really beautiful connections here. Because as John states in John 1,14 “the word became flesh”. And within this light the words of Paul start to make more sense to me: “For from Him and through Him and to Him are all things.” Through wisdom all things were made. 

Even one more detail speaks for this translation and understanding of the first sentence of the Bible: Genesis 1,1 is written with 28 letters and the word “rashit” as a solely standing word appears 28 times in the whole bible. 

*This on its own is a very interesting fact, because it stands for the 10 on the level of the chapters and the 10 on the level of the verses. The Name of the eternal is JHWH which says 10 5 and 5 if we turn the 6 into an “and”. So we get the 10 and a compound 10 out of 5 and 5.

** Rabbi Solomon ben Isaac (b. 1040–d. 1106), commonly known by his acronym Rashi, was the single most influential Jewish Bible commentator of the Middle Ages. Rashi’s works include a commentary on the Tanakh (Hebrew Bible), a commentary on the Babylonian Talmud, and various Halachic works and responsa.

*** Schroeder explains it in this video.

Abenteuer (er) Leben

Das Leben ist für mich seit mehreren Jahren sehr abenteuerlich. Hätte mir jemand vor 20 Jahren gesagt, dass ich mit 40 anfangen würde ein Buch zu schreiben, zu bloggen, mit YWAM (JMEM – Jugend mit einer Mission) zu arbeiten, unsere vier Kinder zu „homeschoolen“, viel unterwegs zu sein und kein geregeltes Einkommen zu haben, hätte ich wohl gelacht, den Kopf geschüttelt und gesagt: „So etwas würde ich nie machen!“ Damals stellte ich mir mein Leben beschaulich und geordnet vor, ab und zu mal eine Reise wäre sicher toll aber so viel Unvorhergesehenes… Nein, nein dafür bin ich viel zu ängstlich und mache mir zu viel Sorgen.

Ich schreibe bewusst, ich bin ängstlich. Das bin ich immer noch, aber etwas hat sich in den letzten 20 Jahren verändert. Wer oder was hat diesen Wandel gebracht? Ich glaube die grösste Veränderung hat Gott in mein Leben gebracht, in dem er mir immer und immer und immer und immer und….immer wieder gezeigt hat, dass er treu ist indem er uns versorgt. In Matthäus 6, 25-34 erzählt Jesus wie die Blume auf dem Feld gekleidet sind und die Spatzen versorgt werden, obwohl diese nicht säen und ernten und Gott versorgt sie doch. Jeder Tag sorgt für sich selbst, eine Lektion, die schon das Volk Israel in der 40 jährigen Wüstenwanderung mit dem täglichen Manna erleben durfte.

Es war ein steiniger Weg. Wir aus der sicheren Schweiz können uns oft nicht vorstellen, wie es ist von Tag zu Tag zu leben. Ich mag mich an eine Situation erinnern als unsere Älteste noch klein war: Sie sass im Kinderwagen und ich spazierte mit ihr nach Hause. Auf dem ganzen Heimweg hatte ich ein Gespräch mit Gott (Nein, es waren wohl eher Vorwürfe, die ich ihm machte): „Ist das dein Ernst Gott? Wie soll ich mit 30 Franken für eine ganze Woche Lebensmittel einkaufen? Sieht so deine Versorgung aus? Wie soll das gehen?“ So ging das den ganzen Heimweg. Ein paar Wochen später… gleiches Szenario. Ich schiebe unsere Tochter mitsamt den Einkäufen im Kinderwagen nach Hause. Wieder hatte ich nur 30 CHF zur Verfügung gehabt, doch mein Herz sang ein anderes Lied als noch vor ein paar Wochen: „Danke Gott für die 30.- Franken. Ich konnte so viel damit kaufen… und das die Windeln die wir so dringend brauchten grad aktion waren, war ja super-duper. Für die nächsten paar Tage haben wir zu essen. Danke für deine Versorgung.“

Was hatte sich verändert? Auf jeden Fall nicht die Umstände! Aber mein Herz und meine Gedanken fingen an sich zu verändern. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass noch nie jemand von uns hungrig vom Tisch aufstehen musste (jedenfalls nicht freiwillig) ;-). So wie Paulus im Brief an die Philipper (Kapitel 4) sagt: „… konzentriert euch auf das, was wahr und anständig und gerecht ist. Denkt über das nach, was rein und liebenswert und bewunderungswürdig ist, über Dinge, die Auszeichnung und Lob verdienen….“ und so führt uns Gott durch ein ziemlich verrücktes Leben. Ein Leben voller Abenteuer, die mir manchmal etwas zu gewagt erscheinen und doch spüre ich oft einen Schubser, den nächsten Schritt zu wagen und wenn ich dann zurückschaue kann ich nur staunen über all das, was wir erlebt haben. Wo wir Menschen segnen durften und wo wir gesegnet wurden, wo wir an Grenzen kamen und wo wir neue Erkenntnisse gesammelt haben, wo wir gelernt haben und gewachsen sind und wo wir Wunder erleben durften. Das Leben fühlt sich farbig und lebendig an.

So wünsche ich uns allen diese Schubser, die uns ins nächste Abenteuer tragen!

Loslassen

„ Wann sind unsere Kinder so gross geworden? Wie und wann ist denn das passiert?“ Wenn ich mir diese Frage stelle, heisst das doch, dass ich nun schon etwas älter bin. Oder? Wir waren sehr jung, als wir unsere Kinder bekamen und ich fühlte mich immer als junge Mutter, aber nun ist unser Jüngster schon 10 Jahre alt und ich merke, dass ich nicht mehr so gut abschätzen kann, wie alt Kleinkinder sind, da ich keine Vergleichsmöglichkeiten mehr habe; ich habe keine Ahnung mehr welche Babykleidergrösse einem Baby mit 4 oder 8 Monaten passt (Da war ich mal sattelfest 😉); ich habe mich an Nächte gewöhnt, die nicht mehr unterbrochen werden; ich habe beinahe vergessen, wie Zeitaufwändig der Alltag mit Kleinkindern ist; wickeln, stillen, Essen schneiden, stundenlang Bilderbücher anschauen, Berge von Wäsche abtragen (um ehrlich zu sein, ist der Berg nicht wesentlich kleiner geworden, nur die Kleidungsstücke etwas grösser).

Ja, da geht eine Ära in unserer Familie zu Ende und oft frage ich mich, wenn ich unsere Grosse anschaue: „Haben wir ihr alles beigebracht, was sie wissen muss, um in der grossen, weiten Welt zu bestehen? Weiss sie worauf es im Leben ankommt? Haben wir ihr ein gutes Fundament mitgegeben?“ Dann wünsche ich mir gleichzeitig, dass sie immer gute Entscheidungen trifft, ehrlich zu sich selbst stehen kann und ihr Leben auf einen Felsen baut. Mit ihren 16 Jahren ist sie noch nicht dabei eine eigene Wohnung zu suchen, aber die Zeit mit ihr im engsten Familienkreis neigt sich dem Ende zu und bald wird sie losziehen um die Welt zu erobern.

Ist es Gott wohl so ergangen als er Adam und Eva „aufwachsen“ sah und sie dann hinaus in die Welt sandte, weil die Zeit reif war? Er wusste, dass er darauf vertrauen musste, dass das was er ihnen gelernt hatte während der Zeit im Garten zu gegebener Zeit, wieder in den Sinn kommen würde. Aus der Geschichte wissen wir, dass dies leider nicht so gut funktioniert hat. Die Menschen haben Gott vergessen und die Flut kam, weil Gott sonst Gefahr lief, dass auch Noah, der zu dieser Zeit der einzige war, der Gottes Stimme noch hörte, diese Fähigkeit auch noch verlor.

Doch durchs Band hinweg zeigt Gott im Alten Testament immer wieder wie er versucht die Menschen aus der Dunkelheit zu holen. Mit dem Volk Israel hat er ein Volk erwählt um durch dieses, die ganze Welt zu segnen. Das Volk hatte dies aber nicht so ganz begriffen, besonders nach den 400 Jahren Sklaverei, war dringend ein Aufbau von einigen Werten im Volk nötig. Die 40 Jahre in der Wüste waren so ein „erwachsen werden“ und Reifen für ein ganzes Volk. Der Prophet Hosea schreibt im 11 Kapitel: „…Ich hatte Ephraim laufen gelehrt und sie auf meine Arme genommen… “ Ich glaube Gott hat diese innige Zeit mit dem Volk Israel in der Wüste genossen. Er konnte ganz nah bei Ihm sein, so wie eine Mutter ihr Kind zu Welt bringt und dann nach und nach loslässt: loslassen aus dem eigenen Körper; loslassen, weil das Kind die Muttermilch nicht mehr benötigt; loslassen, weil das Kind nun selbst gehen kann; loslassen, wenn es für einige Stunden von jemand anderem betreut wird…  immer wieder loslassen, bis das Kind auszieht, flügge wird, eigenständig lebt, selbstständig entscheidet, selbst eine Familie gründet und seinen Teil in die Welt und die Gesellschaft einbringt. Die Eltern werden zu Grosseltern und vielleicht sogar zu Urgrosseltern.

Doch mit Gott ist es etwas anders. “Gott hat keine Grosskinder“, wie eine weise Freundin von mir einmal gesagt hat. Stimmt – unsere Kinder sind Gottes Kinder, genauso wie ich ein Kind Gottes bin. Gut zu wissen, dass ich meine Kinder, wenn sie aus dem Haus gehen, in Gottes Hand wissen darf. Ich gebe mein Bestes hier und jetzt und doch werden sie früher oder später eigene Entscheidungen treffen. Loslassen – ein Wort, das nicht immer einfach ist in der Umsetzung.

Besuch in der Vergangenheit

Wir reihen uns ein in den Strom der Reisenden nach Süden. Der Gotthard, das Nadelöhr, lässt den Verkehr verlangsamen. Die Kirche von Wassen dürfen wir lange anschauen 😉 Aber „jetzt halt“ – Wir sind unterwegs! – Unterwegs an einen Ort, den wir gut kennen. Einen Ort, den wir für etwas mehr als ein Jahr belebt haben. Einen Ort, an dem wir geträumt und gehofft haben. Ein Ort, an dem wir Tränen vergossen haben (vor allem ich) und schliesslich schweren Herzens wieder verlassen haben.

Nun sind wir also wieder da, diesmal nur für ein paar Tage. Für uns und unsere Kinder ist es wichtig uns unseren Gefühlen, die hier aufkommen zu begegnen, und uns all den Erinnerungen zu stellen (den guten wie auch den schlechten). Was suchen wir hier? Frieden? Versöhnung? Erinnerungen?

Ein Blick in die Vergangenheit ist wichtig, auch um uns zu erinnern, aber dann kommt auch wieder der Punkt, wo wir unsern Blick nach vorne richten müssen. Das Leben geht weiter. Egal wer oder was uns verletzt hat, wir stehen vor der Entscheidung; lassen wir uns vom Vergangenen bestimmen oder sagen wir uns: „Ich gehe weiter alles was hinter mir ist hat mich geprägt, aber es bestimmt nicht mein heute und mein morgen.“

Manchmal wäre es vielleicht einfacher und bequemer sich nicht mit sich selbst auseinanderzusetzen. Denn seien wir ehrlich; es ist Arbeit, oftmals sehr schwere Arbeit, sich mit all den verletzten Gefühlen, antrainierten Verhaltensweisen oder geplatzten Träumen auseinanderzusetzten und doch denke ich, dass sich dieser Prozess lohnt.

Wir schaffen nun neue Erinnerungen an diesen Ort. In den letzten Tagen haben wir mit einem Team aus YWAM Olten einen Kurzeinsatz gemacht. Das sind neue Erinnerungen! Erinnerungen an gemeinsame Gebete in der kleinen Steinkirche, Erinnerungen an ein kaltes Bad im Bach, Erinnerungen an die schweisstreibende Holzschlepperei, Erinnerungen an lange Gespräche und UNO spielen bis das Tageslicht verschwunden ist.

Nach einem Blick in die Vergangenheit machen wir uns auf und richten unseren Blick wieder nach vorne. Welche Abenteuer warten da noch auf uns?