Kirche zwischen Geist und Struktur

Antwort von Pfarrer Tobias Fluri, Langenthal, auf das fiktive Interview mit Emil Brunner

Das fiktive Interview mit Emil Brunner legt den Finger in eine Wunde, die so alt wie die Kirche selbst ist: das Missverständnis, die institutionelle Form mit der geistlichen Wirklichkeit zu identifizieren. Brunners Diagnose ist scharf, eine pauschale Institutionsfeindschaft scheint sie aber nicht zu sein. Vielmehr fordert sie zu einer doppelten Unterscheidung heraus: theologisch zwischen Ekklesia und Kirche, kulturdiagnostisch zwischen lebendiger Tradition und blosser Situationsbewältigung.

Der folgende Text versucht, diese Spannungsfelder etwas zu ordnen.

A. Brunners Position: Die Ambivalenz der Sicherung

Brunner formuliert im Interview einen Mechanismus, der als „Gesetz der substitutionellen Sicherung“ bezeichnet werden kann: Gemeint ist eine Sicherung, die das zu Bewahrende nicht nur schützt, sondern es zugleich durch eine Ersatzform verdrängt.

«Der Glaube, der in der Liebe wirksam sich erweist, wird gesichert – und zugleich ersetzt – durch das Glaubens- und Moralgesetz.» (S. 60)

«Man hatte jetzt Lehre – ohne die Dynamis des geisterfüllten Gotteswortes.» (S. 62)

Diese Sätze beschreiben keinen Unfall, sondern eine anthropologische und ekklesiologische Versuchung. Weil der Mensch endlich, vergesslich und fehlbar ist, braucht er geprägte Formen. Der Geist muss und kann nicht formfrei bleiben. Das Kirchenlied etwa ist nicht nur Musikgeschichte; es bringt den Glauben leiblich zur Sprache – durch Atem, Stimme und Erinnerung. Wer singt, wird nicht bloss belehrt, sondern geformt. In diesem Sinn ist Institution eine notwendige Leitplanke für den sündigen Menschen.

Doch Brunner warnt vor dem Umschlag dieser Notwendigkeit in einen „faustischen Sicherungsausbau“: Gemeint ist der Drang des modernen Menschen, Unsicherheit und Unverfügbarkeit durch immer umfassendere Ordnungs-, Kontroll- und Sicherungssysteme zu überwinden. Aus Ämtlein wurden Ämter, aus Diensten – diakoniai, also geistgewirkten Diensten innerhalb des Leibes Christi – wurden Herrschaftspositionen. Brunner ist daher nicht institutionsfeindlich, aber radikal institutionskritisch im Namen der Ekklesia. Er sieht sehr stark die Seite der Verfestigung: Dogma ohne Dynamis, Amt ohne Dienst, Sakrament ohne Leib-Christi-Gemeinschaft.

Allerdings: Nicht jede Gerinnung ist Erstarrung. Nicht jede Form ist Verrat, nicht jede Ordnung Geistverlust. Wenn Form dem Wort Raum gibt, Gemeinschaft ermöglicht und Trost vermittelt, ist sie legitim. Problematisch wird sie erst, wo sie ersetzt. Die sichtbare Kirche neigt dazu, unausgesprochen zu behaupten: „Wir sind die Ekklesia. Unsere Ämter garantieren die Kirche.“ Genau diese Identifikation ist für Brunner das tödliche Missverständnis.

B. Das Königtum Israels: Christologische Korrektur der Institution

Die theologische Tiefenstruktur dieses Problems zeigt sich exemplarisch in der Entstehung des Königtums in Israel (1. Samuel 8). Samuels Warnung „Er wird nehmen“ ist eine der stärksten institutionenkritischen Passagen der Bibel. Der König, von dem man Schutz und Sichtbarkeit erwartet, wird selbst zum Zugriffssystem. Was als Sicherung beginnt, entwickelt eine Eigendynamik: Es nimmt, verwaltet, zentralisiert und absorbiert.

Dennoch verwirft Gott diese Institution nicht total. Er unterstellt sie seinem Wort. Es beginnt mit Saul als ambivalenter, scheiternder Gestalt, führt aber über David zur messianischen Linie. Aus der problematischen Institution wird ein Ort, an dem Gott seine Verheissung weiterführt. Gott heiligt die sündige Struktur nicht, aber er gebraucht sie.

Die endgültige Kritik und Erfüllung aller menschlichen Institution geschieht christologisch. Jesus ist die Mitte, aber als dienende, gekreuzigte Mitte. Damit wird das Königtum zugleich erfüllt und gerichtet. Der wahre König nimmt nicht die Söhne und Töchter für seinen Apparat, wie der König in 1. Samuel 8, sondern er gibt sich selbst für sie. Das ist die Umkehrung der institutionellen Logik: Jede kirchliche Struktur steht unter der Kritik des Kreuzes. Sie bleibt vorläufig, gebrochen und dienend. Wo sie sich absolut setzt, widerspricht sie ihrem Herrn.

C. Die Achse Situation und Tradition

Um Brunners Kritik für die Gegenwart fruchtbar zu machen, kann sie entlang der Achse Situation und Tradition differenziert werden.

Tradition als lebendiges Gedächtnis: Im positiven Sinn ist Tradition geronnene Erfahrung, die entlastet und Orientierung bietet. Sie bewahrt die Kirche davor, in jeder Generation bei null anfangen zu müssen. Sie ist Gefäss der Dynamis, also eine geschichtlich gewordene Form, in der die Kraft des Geistes weitergegeben werden kann.

Situation als Anspruch der Gegenwart: Die konkrete historische Lage fordert immer wieder neues Hören. Wenn Tradition nur noch als automatische Wiederholung vollzogen wird, ohne auf die aktuelle Situation und das gegenwärtige Wort zu antworten, erstarrt sie.

Brunner zeigt, dass die Krise der Kirche dort entsteht, wo Tradition nicht mehr als Antwort auf Situationen verstanden wird, sondern als immunisierte Selbstsicherung: als eine gegen Korrektur und neues Hören abgeschirmte Form. Umgekehrt gilt: Eine reine Situationsorientierung ohne traditionelle Rückbindung führt zur Beliebigkeit. Die Kunst besteht darin, Tradition so lebendig zu halten, dass sie in der jeweiligen Situation als Medium des Geistes fungiert, statt zur Blockade zu werden.

D. Systematische Synthese: Das Kriterium der Dienstbarkeit

Das entscheidende Kriterium zur Unterscheidung von legitimer Form und illegitimer Ersatzreligion lautet somit: Dienstbarkeit versus Selbstermächtigung.

Form dient, wenn sie transparent bleibt für das Letzte: Christus, Geist und Wort. Form verselbständigt sich, wenn sie opak wird, also undurchsichtig für ihren Ursprung, und sich selbst als Letztes ausgibt. Diese Unterscheidung ist nie statisch getroffen; sie muss in jeder Generation, in jeder kirchlichen Entscheidung und in jedem kulturellen Vollzug neu vollzogen werden. Sie ist der Pulsschlag der Ecclesia reformata semper reformanda: der reformierten Kirche, die nicht fertig ist, sondern sich immer wieder vom Wort Gottes her erneuern lassen muss.

E. Die paradoxe Gegenwart: Technische Hyperstruktur und kulturelle Formauflösung

Überträgt man diese Analyse auf die westliche Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, zeigt sich ein frappierendes Paradoxon, das Brunners Diagnose unerwartet aktualisiert. Wir beobachten zwei gegenläufige Bewegungen:

1. Technische Formverfestigung: Auf der einen Seite erleben wir eine beispiellose Verdichtung von Struktur, insbesondere durch Künstliche Intelligenz und Digitalisierung. Wirklichkeit wird modellierbar, berechenbar und operationalisierbar. Dies ist der „faustische Sicherungsausbau“ in neuer Gestalt: Ein technisches Logos-Surrogat, also ein technischer Ersatz für jenes ordnende und sinnstiftende Wort, das theologisch allein Christus zukommt, soll Kontingenz bannen. Mit Kontingenz ist jene Nicht-Notwendigkeit und Unverfügbarkeit gemeint, dass Wirklichkeit auch anders sein könnte, als wir sie planen, berechnen oder kontrollieren. Wo der Geist schwindet, tritt der Algorithmus als perfekte, weil geistlose, Leitplanke auf den Plan.

2. Kultureller Formverlust: Auf der anderen Seite schwinden soziale, moralische und biografische Traditionsbestände radikal. Das Motto lautet: Wahl vor Schicksal, Selbstentwurf vor Empfang. Fast situationsethisch soll jeder nach eigenem Gusto selig werden. Damit ist eine Haltung gemeint, in der jede Situation für sich allein entscheidet und kaum noch durch überlieferte Massstäbe, gemeinsame Formen oder verbindliche Lebensordnungen begrenzt wird. Überlieferte Formen verlieren ihre Bindungskraft; Identität wird zur permanenten Konstruktionsaufgabe.

Die Diagnose: Diese beiden Linien bedingen sich gegenseitig. Je weniger lebendige Tradition und geistliche Substanz den Menschen von innen her tragen, desto stärker müssen äussere, technische Systeme kompensatorisch einspringen. Je mehr kultureller Formverlust entsteht, desto mächtiger wird technische Formverfestigung. Wo die Dynamis fehlt, wird die Techne zum Ersatzgott: nicht einfach Technik im neutralen Sinn, sondern die Haltung, alles durch Verfahren, Systeme, Kompetenz und Steuerbarkeit verfügbar machen zu wollen. Man könnte hier auch von einem technischen Solutionismus sprechen.

Die Moderne produziert also ihre eigene Ersatztradition: technisch funktional, aber geistlich hohl. Für die Kirche bedeutet dies: Sie darf weder in nostalgischer Traditionalität erstarren noch sich dem technokratischen Optimierungswahn oder dem reinen Situationismus ergeben. Ihre Aufgabe ist es, inmitten dieses doppelten Extremismus jene „Freiheit in der Gebundenheit“ zu bezeugen, die weder Kollektiv noch isoliertes Individuum kennt, sondern Gemeinschaft im Geist. Nur so kann sie der Verwechslung von Struktur und Geist widerstehen und dem Werden der wahren Ekklesia dienen.

Sehen Sie eine Zukunft für die Kirche, Herr Brunner?

Ein fiktives Interview mit Emil Brunner. Alle Zitate stammen aus einem Buch «Das Missverständnis der Kirche», Erstausgabe 1951.

Was ist Kirche, Herr Brunner?

«Alle Kirchen sind Rechtsgebilde, Institutionen im Rechtssinne.» … In dieser Rechtsnatur der Kirchen kommt ihr Charakter als Institutionen am massivsten zum Vorschein – und gerade dieser ist es, der sie von der Ekklesia des Neuen Testamentes unterscheidet und unüberbrückbar trennt.»

Wie war denn die Ekklesia des Neuen Testamentes organisiert?

«Es gab in der Ekklesia eine Ordnung der Funktionen, zugeteilt – so heisst es ausdrücklich – durch den Heiligen Geist an die einzelnen zu besonderen Diensten, ein Begriff, der fälschlich mit «Ämter» übersetzt wurde. Denn das Amt gibt es in einer staatlichen Organisation, ein Amt ist eine Institution. Die diakoniai aber, die «Dienste» gibt es so, wie es Organe mit verschiedenen Funktionen an einem Leibe gibt.» s. 57

«Die Gemeinde Jesu lebt vom Heiligen Geist; das ist ihr geheimnisvolles Wesen.» s. 53

Wie kam es dazu, dass diese organischen Dienste zu festen Ämtern wurden? War da nur falsche Übersetzung schuld oder ist die Fehlübersetzung Resultat eines anderen Prozesses?

Das Wort Gottes ist in der Ekklesia vorhanden und wirksam als das Wort des Heiligen Geistes, darum in einer Einheit von Logos und Dynamis, die jenseits alles Verstehens liegt. Diese Einheit ist das später nicht mehr vorhandene und nicht mehr verstandene Geheimnis der Urgemeinde. … Das Wort Gottes wird gesichert  – und zugleich ersetzt – durch Theologie und Dogma; die Gemeinschaft wird gesichert – und zugleich ersetzt – durch die Institution; der Glaube, der in der Liebe wirksam sich erweist, wird gesichert  – und zugleich ersetzt – durch das Glaubens- und Moralgesetz.» s. 60

«Man hatte jetzt Lehre – ohne die Dynamis des geisterfüllten Gotteswortes. Man hatte jetzt Glauben – «richtigen», orthodoxen Glauben – ohne die Liebe. Man hatte jetzt Gemeinde als Kirche mit Ämtern, aber nicht mehr die Verbundenheit in gegenseitigem Dienst.» s. 62

Das heisst, diese geisterfüllte Verbundenheit ging unterwegs verloren?

«Richtig ist: in dem Mass, als die Gemeinde aufhört pneumatische Einheit, koinonia im früheren Sinn zu sein, in dem Masse muss sie die pneumatische Feinstruktur durch eine organisatiorisch-rechtliche Grobstruktur ersetzen.» s. 104

«Vorher war der Heilige Geist das, was die Gemeinde zur Gemeinde machte; sie war eine pneumatische Einheit, als solche eben «der Leib» des Christus. Nunmehr aber war sie eine sakramentale Einheit geworden.» s. 87

Was meinen Sie mit einer sakramentalen Einheit?

Die Mahlfeier und die Taufe: «Diese beiden Handlungen, die die spätere Kirche Sakramente genannt hat, haben im neuen Testament mit einer kirchlichen Amtsordnung nichts zu tun. Kein Wort ist darüber gesagt, wer taufen oder wer nicht taufen dürfe, kein Wort über die Austeilung des Brotes und Weines beim Mahl. Und doch liegt hier, in diesen sogenannten Sakramenten, die Ansatzstelle für die spätere institutionelle Entwicklung, für die Kirchwerdung der Gemeinde Jesu Christi.» s. 75/76

Im Umgang mit den Sakramenten ist also die Entwicklung zu dem, was wir heute Kirche nennen zu suchen?

«Es ist nicht mehr die Agape, die schenkende Liebe Gottes, die als eigentliche Gabe des Heiligen Geistes die einzelnen miteinander verbindet, sondern es ist dieses Wunderding, das Sakrament, das man miteinander gemeinsam hat; man bekommt jetzt den Leib Christi, statt dass man selbst der Leib Christi ist.» s. 87

«Das Sakrament verlangte den Priester, das Bedürfnis nach Ordnung und Einheit verlangte die gesetzliche, kirchenrechtliche Autorität. Die beiden Ströme flossen zusammen in der Schaffung des Priester-Bischofs, der apostolische Lehrautorität und Ordnungsautorität für die Gemeinde besitzt.» s. 94

Daraus folgte konsequenterweise die milliardenschwere Institution der Römisch-katholischen Kirche mit dem Papst an der Spitze.

Ja, und zudem: «die bischöfliche Spendung des Sakraments macht die Gemeinde zu empfangenden Laien; die bischöfliche apostolische Autorität macht sie zu Gehorchenden und Regierten. Nur durch diese doppelte Abhängigkeit von der Priesterbischofkirche kann der einzelne das Heil erlangen. Aus der im Wort und Geist begründeten «mystischen» Bruderschaft, aus dem Leib Christi, dessen Haupt allein Christus ist, dessen Glieder darum gleichen Ranges sind – aus dem Volk von priesterlichen Brüdern  ist eine Kirche geworden, die aus einzelnen Gemeinden besteht, die zusammen das Kirchenganze bilden und von denen jede von einem Bischof geistlich regiert wird, der als spendender Priester dem Laien gegenübersteht, weil er das Heilsgut, das Sakrament verwaltet, das heilige Ding, das diese einzelnen Menschen zusammenhält und zu einem Kollektiv macht.» s. 95

Hast sich die Kirche somit nicht meilenweit von ihrer Aufgabe entfernt?

«Ein Mittel, das Gottes Vorsehung so lange und so gewaltig gebraucht hat, darf keiner auflösenden Kritik zum Opfer fallen.» s. 135

«Es kann sich also niemals darum handeln, aus der Unterscheidung von Ekklesia und Kirche ein negatives Urteil oder gar eine feindliche Haltung gegen die Kirchen abzuleiten.» s.135

«Die Aufgabe der Kirchen kann also nicht die sein, Ekklesia zu werden – das kann sie nie und nimmer -, sondern nur die, dem Werden der Ekklesia zu dienen,… Dabei heisst Ekklesia das, was wir aus dem Neuen Testament als ihr eigentliches Wesen erkannten: Gottesgemeinschaft durch Jesus Christus und in ihr begründete Bruderschaft oder Menschengemeinschaft. Die Einheit von Christusgemeinschaft und Bruderschaft ist das Wesen der Ekklesia.» s. 123

Was schlagen Sie für einen Weg der Kirche in die Zukunft vor?

«Nicht eine Einheitsorganisation der Kirchen ist das, was wir am meisten nötig haben; im Gegenteil, eine solche kann letztlich nur das Grundübel, eben das Missverständnis der Kirche noch vergrössern, in dem sie, noch einmal, Kirche und Institution identifiziert. Was wir brauchen, ist der Heilige Geist, der dem Glauben an Jesus Christus verheissen ist und der, wo er kräftig wirksam ist, jene Freiheit in der Gebundenheit und jene Gebundenheit in der Freiheit schafft, jene Gemeinschaft, die ebenso fern ist von allem Kollektivismus, wie sie fern ist vom Individualismus.» s. 132/133

«Die Kirche hat während ihrer ganzen Geschichte dadurch, dass sie ihrem Wesen nach viel mehr ein Kollektiv als eine Gemeinschaft war, die Bildung wahrer Bruderschaft in Christus nicht nur vernachlässigt, sondern vielfach verhindert. … Mit oder ohne die Kirchen wird Gott die Ekklesia zum Brudervolk werden lassen. Ob die Kirchen sich dieser Erkenntnis öffnen oder verschiessen, davon wird es abhangen, ob sie eine Zukunft haben.» s.136/137

Persönliche Worte zu den Grossratswahlen

Findest Du es wichtig, dass sich die Regierung die Schwachen schützt und stützt? Soll der Staat sich in den Dienst des Volkes stellen? Bist Du ein Verfechter der Menschenrechte und bist überzeugt, dass jeder Mensch mit der gleichwertigen Würde geboren wird?

Ich auf jeden Fall. Diese Ideen sind jedoch nicht einfach aus dem Nichts entstanden, sondern gründen auf dem Leben und der Lehre der berühmtesten und einflussreichsten Persönlichkeit, die je auf diesem Planteten gelebt hat: Jesus von Nazareth. Seit über 2000 Jahren geht seine Saat auf und macht die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort. Er gab meiner Partei den Namen Evangelische Volkspartei. Von ihm kommt dieses Evangelium, diese gute Nachricht.

Es gibt viel Interpretationsraum in der Umsetzung dieser 2000 Jahre alten Impulse. Je nach Lebensmillieu unterscheidet sich die Perspektive. Ich arbeitete zwei Jahre als Volkschullehrer und war wohl während dieser Zeit der SP näher, als sonst einer Partei. Danach lebten wir eine Weile in der Kunstszene und hatten dementsprechend eine veränderte Sicht auf die Gesellschaft. Als ich dann 2007 einen kleinen Schreinerbetrieb übernahm, konnte ich die Sicht der FDP besser nachvollziehen.

Wir leben miteinander. Es ist wichtig, dass wir uns die verschiedenen Perspektiven anhören. Deshalb setze ich mich für den Dialog ein. Das Leben und die Lehre von Jesus haben manchmal zu sehr progressiven Entwicklungen geführt und manchmal riefen sie zu erhaltenden Entscheidungen auf. Wir stehen als Gesellschaft auf diesem Fundament und können unglaublich dankbar sein, dass wir seit 179 Jahren auf eigenem Boden keine militärische Auseinandersetzung mehr hatten. Wir haben viele Frauen und Männer, die aus tiefchristlichen Überzeugungen handelten und unsere Nation positiv geprägt haben.

Deshalb setze ich mich ein für das E der EVP in der Politik.

„Externer Konflikt kommt von internem Konflikt.“

„Woher kommt dieser Konflikt im Menschen?

Von Angst.

Wir fürchten uns.

Du musst nicht mit Angst Leben. Du musst darauf reagieren, worauf die Angst hinweist, dann geht sie weg.

Wir Menschen werden mit nur zwei Arten von Angst geboren: die Angst zu Fallen und die Angst vor lauten Geräuschen. Alle anderen Ängste wurden uns gelehrt.“

Jamie Winship – Militanter Friedensstifter

Pionierarbeit der Missionare

„Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern gehen zurück bis ins 19. Jahrhundert, wenn die Basler Missionare an der „Goldküste“, heute Ghana, ankamen, um evangelistische Arbeit zu unternehmen.

Die Missionare verrichteten Pionierarbeit in der Etablierung von Bildungseinrichtungen im ganzen Land, inklusive der ersten landwirtschaftlichen Schule in Akropong, meines elterlichen Heimatortes in der östlichen Region des Landes. In der Tat war mein verstorbener Vater, Präsident der zweiten Republik Ghana’s, tief durchdrungen von den presbyterianischen Attributen Disziplin, Industrie, Integrität und Sparsamkeit. Er war ein berühmtes Produkt der gefeierten Salem Schule von Akropong.

Auf sie geht auch die Etablierung von Gesundheitseinrichtungen zurück, wie zum Bespiel das Missionsspital in Agogo in der Ashanti Region. Und sie waren stark beteiligt an der Kultivierung von Cocao, eine Handelsware, die Hauptstütze der ghanaischen Wirtschaft des letzten Jahrhunderts.

Die christliche Gemeinschaft in Ghana steht in tiefer Schuld der Basler Missionare, die auch verantwortlich sind für die Übersetzung der Bibel vom Englischen in zwei Ghanaische Hauptsprachen und denen unsere Ehrerbietung gehört. Die Namen Riis Andreas, Johann Gottlieb Christaller und Fritz Ramseyer hallen weiter in unserer Geschichte und unserem kollektiven Gedächtnis nach.“

President of Ghana Nana Addo Dankwa Akufo-Addo, 9.3.2021, Bern

Quelle der Entstehung unserer modernen Gesellschaft

Reaktion auf „Moral. Die Erfindung von Gut und Böse.“ Prof. Dr. Hanno Sauer

Was ist vor wenigen Jahrhunderten passiert, dass moderne Gesellschaften entstanden sind? Warum ist es passiert? Und warum ist es gerade an diesen Orten passiert? Wie kamen die Ideen von Gleichheit, Freiheit und ökonomischer Unabhängigkeit in die Menschheitsgeschichte?

Sie kamen nicht überall zur gleichen Zeit auf, sondern vor etwa 500 Jahren in den Ländern, die wir heute als westlich bezeichnen. Die klassische Erklärung, warum diese gesellschaftsverändernden Ideen sich hier etabliert haben, kommt von Max Weber im Zusammenhang mit der protestantischen Arbeitsethik.

Weber sagte, dass «das Streben nach möglichst hohem Geldgewinn» erstmal gar nichts mit Kapitalismus zu tun hat. Dieses Streben fand man an allen Orten und in allen Gesellschaftsschichten. Es muss «Rentabilität» dazu kommen. Das heisst, man muss fähig sein, Geld zurückzuhalten, um es wieder investieren zu können. So erzeugt man erneuten und langfristigen Gewinn. Um Geld zu sparen, braucht es Selbstbeherrschung. Und diese findet man in der protestantischen Ethik.

Natürlich kommen noch weitere Faktoren dazu. Durch die Reformation begannen die Protestanten selber die Heilige Schrift zu erforschen. Lesen und Schreiben wurde gefördert. Es wurde debattiert über die Inhalte. Rationalität war gefragt. Die neuen Erkenntnisse führten zur protestantischen Arbeitsethik. Zum Beispiel entdeckte man den arbeitenden Gott. Gott arbeitete sechs Tage an der Schöpfung. Warum also sollten es nicht auch die Menschen so tun? Sie waren ja schliesslich im Ebenbild Gottes geschaffen worden. Bei den Calvinisten kam noch der Gedanke dazu, dass wirtschaftlicher Erfolg eine Art Hinweis sei, für die Zugehörigkeit zu den Auserwählten, die einmal eine schöne Ewigkeit mir Gott verbringen würden. Diese Arbeitsethik führte zu einem wirtschaftlichen Vorteil gegenüber anderen Regionen und Ländern.

Prof. Dr. Hanno Sauer meint, dass dieser klassische und erster Erklärungsversuch anhand der protestantischen Arbeitsethik heute kritisch angeschaut wird. Der Versuch gehe nicht weit oder tief genug. Insbesondere die Frage bleibe offen, woher denn diese ungewöhnliche Religion komme.

Es gibt noch einen zweiten, heute sehr populärer Erklärungsversuch. Insbesondere Menschen, die den Kapitalismus, die Globalisierung und die ausbeuterische, moderne Gesellschaft kritisieren möchten, bedienen sich gerne dieser These. Sie soll zeigen, dass bereits die Wurzel der modernen Gesellschaft verrottet war: diese westlichen Länder wurden reich durch die Ausbeutung anderer Länder. Auch wenn Kritik geübt werden kann und muss an der Kolonialisierung, bleibt eine Frage offen: Wie kamen diese Länder zu ihrem anfänglichen Vorteil? Warum konnten sie bessere Fortbewegungsmittel und Waffen erbauen, als die Länder, die sie ausbeuten konnten? Wie entstand ihre anfängliche Überlegenheit. Also kann man den ersten Erklärungsversuch vor den zweiten stellen und ist wieder am selben Punkt.

Saurer’s bevorzugter und dritter Erklärungsversuch kommt von Joseph Henrich: «Aus gar nicht so genau erklärten Gründen, sondern eher halb zufällig» (Zitat Hanno Saurer), begann die westliche Kirche in der damals dominanten Region ein fundamentales Prinzip sozialer Organisation aufzubrechen, nämlich Verwandtschaft. Sie tat das in erster Linie mit dem Verbot der Heirat von Cousins oder Cousinen. So wurde es schwieriger, die Leitung von Institutionen einfach weiter zu vererben. Allmählich führte dies zur Formation der modernen Institutionen. Ämter wurden nicht mehr einfach an einen nahen Verwandten vergeben, wie das heute noch in vielen Kulturen der Fall ist, sondern die passende Person wurde gesucht.

Gibt es aber vielleicht erklärbare Gründe für die Schwächung des Sippendenkens? Und warum war diese Region schon dominant? Ich frage mich, ob man nicht mehr Antworten finden würde, wenn man den Gedanken zulässt, dass die Quelle dieser grossen, gesellschaftlichen Veränderung das Leben und die Lehre von Jesus Christus ist.

Denn das Aufbrechen der verwandtschaftlichen Banden ist bereits bei Jesus zu sehen. Sein auserwähltes, weltveränderndes Team waren nicht Familienmitglieder, sondern Studenten, die er aus der Gesellschaft bewusst zusammensuchte. Er sah sich völlig vereint mit ihnen, wie eine Familie. Wie «gleiches» Blut in den Adern von Blutsverwandten fliesst, wollte er in den Jüngern gegenwärtig sein, so wie Gott in ihm war. (Johannes 17) Auch bezeichnete Jesus die Menschen, die nah um ihn herum waren, um ihm zuzuhören, als seine Brüder und Schwestern. (Markus 3,34). Jesus brach also bereits die Familienbande auf und formte sie zu einer neuen Körperschaft der Gläubigen zusammen. Und als mit Judas ein Jünger wegfiel, wählten die verbleibenden 11 Jünger demokratisch einen Ersatz (Apg 1, 15-26).

Es klingt aus meiner Sicht durchaus glaubwürdig, dass der klassische Erklärungsversuch von Max Weber noch immer stimmt und diese ungewöhnliche Religion (der Protestantismus) von dem Mann kam, der 1500 Jahre zuvor in Israel predigte, am Kreuz starb und von den Toden auferweckt wurde.

DAS Wort für Weihnachten

Am Anfang war das Wort; das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. (Johannes 1,1 NGÜ)

Der Schöpfungssatz aus 1. Mose 1,1 gab uns die Zahlen 2701 = 37 * 73. Im neutestamentlichen Schöpfungssatz Johannes 1,1 ist der Fokus auf DEM Wort:

λoγoσ logos 30+70+3+70+200 = 373

„Logos“ deutet auf die Schöpfungsordnung hin und als Christen verbinden wir es mit Jesus, in dem die Fülle der Gottheit gegenwärtig war (Kolosser 2,9).

Logos ebenfalls als Stern am Weihnachtshimmel. Der Stern besteht aus 6 Sechsecken und 7 Sternen oder anders formuliert:

373 = 3 * 19 + 7 * 37 + 3 * 19

Jesaja gibt dem Weihnachtskind vier ausseronrdentliche Namen:

Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens. (Jesaja 9,5 Elberfelder)

Alle Buchstaben dieser vier Namen ergeben zusammen den Zahlenwert 1492.

1492 = 4 * 373

Die vier Namen haben den vierfachen Wert vom Wort Logos. Jeder Name weisst auf DAS Wort, Jesus, Logos, hin. Das Wort Logos kommt in diesem berühmten Prolog aus Johannes 1, 1-18 viermal vor.

FROHE WEIHNACHTEN 2025!

Die faszinierendste Zahl im wichtigsten Satz, der je geschrieben wurde?!

1. Buch Moses 1,1 “Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.”

Welchen Satz der Bibel würdest Du als den wichtigsten wählen? Für mich wäre es der erste Satz der Bibel. Allein die Aussage, dass es einen Schöpfer gibt,… Aber sollte es nicht ein Satz von Jesus sein? Ja, irgendwie schon, aber genau IHN finden wir eben auch schon in mehrfacherweise in diesem Wundersatz mit der Wunderzahl 2701.

im Anfangבראשׁית BRASJT2_200_1_300_10_400913
schufברא BRA2_200_1203
Gottאלהימ ALHJM1_30_5_10_4086
**את AT1_400401
die Himmelהשׁמימ HSMJM5_300_40_10_40395
und**ואת WAT6_1_400407
die Erde.הארצ HARß5_1_200_90296

Jeder Buchstabe im Hebräischen Alphabet ist gleichzeitig eine Zahl (siehe dazu Tabelle Hebräisches Alphabet.) Zählt man die 7 Worte dieses Satzes zusammen erhält man:

913 + 203 + 86 + 401 + 395 + 407 + 296 = 2701

Spiegelt man diese Zahl und addiert sie erhält man folgendes:

2701 + 1072 = 3773

Dies ist bereits ein Hinweis, auf die Primfaktorenzerlegung dieser Wunderzahl. Die kleinsten Zahlen, die man nehmen kann, um 2701 als Malrechnung darstellen zu können, sind 37 und 73.

37 * 73 = 2701.

Beide Teiler sind Sternzahlen, das heisst, wir können einen grossen Stern aus 37 kleineren Sternen formen, die ihrerseits aus je 73 Sternen (Punkten) bestehen.

Gibt man Christus in Google translate ein, dann erhält man „ישו הנוצרי“, yeshu hanotzri, Jesus von Nazareth. In einer zweiten, beliebten Zählweise, zählt man die Positionen der Buchstaben im AlephBeth zusammen.

ישו = Jesu = Jota ist der zehnte Buchstaben im Alephbeth; Shin ist der 21. Buchstaben und Vav ist der 6. Buchstaben = 10 + 21+ 6 = 37

הנוצרי = von Nazareth = 5 + 14 + 6 + 18 + 20 + 10 = 73

So steht Jesus als grosser Stern am Weihnachtshimmel. Hier besteht der Stern aus 73 Sternen mit jeweils 37 Sternen geformt.

Frohe Weihnachtstage 2025!

Das Herz

“Sollte ein hohler Mensch beherzt (בבלי JLBB) werden oder ein Wildesselsfüllen als Mensch geboren werden?» Hiob 11,12

Was macht den Menschen aus? Was unterscheidet ihn vom Wildesselsfüllen? Etwa nur der andersgeformte Körper?

In der Bibel wird das Herz als innerstes Organ angesehen. Das Herz ist das Zentrum von allem. Von ihm geht Leben aus.

«Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.» Sprüche 4,23 (Schlachter 2000)

Der Mensch besteht aus zwei Behausungen, die gleichzeitig eine sind. Der Körper ist die Sichtbare Behausung. Das Herz dient in der Bibel als Bild für die innere Behausung des Lebens.

Die Lamed ist der innerste, der mittlere Buchstaben des Alephbeth. Das hebräische Wort für Herz beginnt mit der Lamed.

לֵבָב LBB, 30_2_2

Um das Wort für Herz zu formen kommen noch zwei Beth dazu. Beth bedeutet Haus. Die Verbindung nach oben (siehe letzter Blogeintrag) hat nun zwei Behausungen, die innere und die äussere.

Wir Menschen sollen nun unser Herz, unsere Innenwelt, mehr als alles andere behüten. Aus ihm kommt Leben, wenn es mit Gott verbunden ist. Ohne gute Quelle bringt es Unreines, Unheilvolles hervor.

Nicht das, was zum Mund hineinkommt, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Mund herauskommt, das verunreinigt den Menschen. (Matthäus 15,11 Schlachter 2000)

Shabbat Shalom!