Judas verriet Jesus für 30 Silberlinge. 30 Silberlinge kommen beim Propheten Sacharja im 11 Kapitel auch vor.
Gemäss Dr. Baruch Korman ist dieses Kapitel eines der schwerverständlichsten der ganzen Bibel. Ich fand seine Interpretation des Kapitels sehr spannend und werde sie deshalb hier einfliessen lassen in Ergänzung zu meinen eigenen Gedanken.
In erster Linie handelt dieses Kapitel vom Gericht oder von der Zurechtweisung. Wie wird das Gericht kommen? Vers 6 klärt auf:
Darum will ich die Bewohner des Landes auch nicht mehr verschonen, spricht der HERR, sondern siehe, ich will die Menschen preisgeben, jeden in die Hand seines Nächsten und in die Hand seines Königs; die werden das Land verheeren, und ich werde es nicht aus ihrer Hand erretten. (Vers 6, Schlachter 2000)
- Die Menschen werden einander preisgegeben.
- Sie werden einem nichtsnutzigen König preisgegeben.
Baruch ordnet diesen Text klar der Zeit des Messias Ben Joseph, also Jesus von Nazareth, zu. Jesus spricht also in der ersten Person. Er soll die Schafe hüten (Vers 4) Die aktuellen Leiter der Menschen verkaufen ihr Volk für ihren eigenen Gewinn und fühlen sich erst noch dafür von Gott als gesegnet.
Zuerst macht der Messias sich zwei Hirtenstäbe (Vers 7). Den einen nennt er «Noam», was soviel bedeutet wie «angenehm». Dies erinnert im Deutschen an «angenommen sein». Den anderen nennt er «Chovlim», was «Bande» bedeutet. Er vertilgt nun gleich in einem Monat drei schlechte Hirten. Nach Baruch könnte es sich hier um die Priester, die Ältesten und die Sanhedrin handeln.
Aber trotzdem wird der Messias ungeduldig mit den Schafen und sie weisen ihn auch zurück. (Vers 8) Er hört auf die Schafe zu hüten.
Dann bricht er denn ersten Stab, steht in der deutschen Übersetzung. Baruch aber sagt, dass hier «cut down», fällen, steht. Damit bleibt der Stumpf stehen und mit ihm die Hoffnung, dass wieder etwas aus dem Stumpf wächst.
Der erste Stab spricht von der ersten Art von Gericht: ein jeder wendet sich gegen seinen Nächsten. Baruch übersetzt Vers 11 folgendermassen:
“And I will say to them, “If it’s good in your eyes give me My wage; if not cease (from what you are doing), but they weighed out My wage: 30 pieces of silver.”
And I will say to them – Ich werde ihnen, den führenden Juden, sagen:
“If it’s good in your eyes – wenn es recht ist in euren Augen, mit anderen Worten: Trefft eine Entscheidung.
give me My wage; – Gebt mir meinen Lohn.
if not cease (from what you are doing) – wenn ihr euch dagegen entscheidet, dann geht auf die Seite und macht dem Messias Platz, damit er wirken kann.
but they weighed out My wage: 30 pieces of silver. : Aber sie wogen seinen Lohn ab. 30 Silberlinge.
Die Zeit der Trauer ist im Judentum 30 Tage. Deshalb sieht Baruch hier die Zahlung als ein Hinweis, dass der Preis der 30 Silberlinge, der Preis für den Tod des Messias darstellt.
Sie wenden sich gegen ihren Hirten aus ihren eigenen Reihen. Gott ordnet in Vers 13 an, dass die 30 Silberlinge in den Tempel kommen, wo sie wieder in eine neue Form gebracht werden können vom Einschmelzer, bzw. vom Töpfer (Vers 13).
Genauso geschah es mit Jesus, wie es hier prophetisch vorhergesehen wurde. Judas (יְהוּדָה, 10_5_6_4_5, TW 30), der Jünger mit Namen des gleichnamigen, führenden Stammes der Israeliten, verriet ihn aus den eigenen Reihen. Er erhielt dafür 30 Silberlinge. Diese warf er wieder in den Tempel zurück. Die führenden Juden kauften dafür den Acker des Töpfers, worauf die Fremden beerdigt werden konnten (Matthäus 27, 5-8). Aus dem Stumpf war also bereits wieder ein Segen für die Völker gewachsen.
Mit dem zweiten Stab fällt der Bund zwischen Israel und Juda, zwischen den Israeliten und ihrem führenden Stamm Juda. Sie erhalten nun einen nichtsnutzigen Hirten, «der das Vermisste nicht sucht, das Zerstreute nicht sammelt, das Verwundete nicht heilt, das Gesunde nicht versorgt»(Vers 16, Schlachter 2000).
Jesus wollte ihnen ein guter Hirte sein, der zum Volk schauen würde:
»Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, dass sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen, um zu verkündigen das angenehme Jahr des Herrn.« (Lukas 4, 18/19, Schlachter 2000)
Doch die Schafe nahmen den Messias nicht als ihren Hirten an und liessen ihn stattdessen lieber von Rom töten. Damit war dann auch schon klar, wer der neue, nichtsnutzige Hirte sein würde. 70 n. Chr. zerstörte dieser Hirte den Tempel und zerschlug das ganze Volk Israel ins Exil. Doch dies sollte nicht das Ende sein:
«Und es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schössling hervorbrechen aus seinen Wurzeln. (Jesaja 11,1)