Wo Geschichte lebendig wird…

Letzten Sonntag besuchten wir „Das versteckte Dorf“ in den Wäldern der Umgebung von Vierhouten in den Niederlanden. Ein Stück Geschichte wurde lebendig als wir die versteckten Häuser besichtigten, die in den Waldboden eingelassen worden waren um möglichst gut getarnt zu sein. Zwischen 1943 und 1944 hatten sich dort bis über 80 Juden und zeitweise britische Piloten versteckt. Von Baumhauer, ein Rechtsanwalt mit deutschen Wurzeln und das Ehepaar Bakker (von den Bewohnern des Dorfes liebevoll Tante Cor und Opa Bakker genannt) organisierten die Versorgung des Dorfes. Einwohner der Umgebung waren in die Versorgung involviert.

Da während der Kriegsjahre immer mehr Menschen in den Niederlanden untertauchen mussten, wurde das versteckte Dorf im Frühling 1943 gegründet. Für den Winter musste aber etwas wetterbeständigeres als ein Zelt gefunden werden und so wurden mehrere Hütten gebaut. Die Angst entdeckt zu werden hing immer in der Luft. Um die Kinder ruhig zu halten wurde eine Schule gegründet. Die Menschen, die bei der Versorgung mithalfen nahmen ein grosses Risiko auf sich, wer entdeckt wurde, konnte kurzerhand erschossen werden.

Im Oktober 1944 fanden zwei niederländische SS-Soldaten das Dorf, als sie auf der Jagd einen Jungen eine Brandschneise überqueren sahen. Die Mehrheit der Bewohner konnte fliehen, doch nicht allen gelang die Flucht.

Kurz bevor wir nach Holland losfuhren las ich einen Roman über dieses versteckte Dorf. (https://www.francke-buch.de/buecher/0/2551/0/irma-joubert-das-kind-aus-dem-versteckten-dorf/) Wie überrascht war ich, als ich auf der Landkarte die vertrauten Städtenamen aus der Geschichte sah. So fuhren wir (natürlich mit dem Fahrrad, wie man das so macht in Holland 🙂) an unserem freien Tag durch die Wälder von Gelderland um die nachgebauten Hütten zu besuchen.

Das ältere Ehepaar, Tante Cor und Opa Bakker, haben mich sehr beeindruckt. Sie habe ihr Leben eingesetzt, damit ihre Freunde leben können. Jesus sagt diese Worte im Evangelium des Johannes als er über die Liebe spricht. (Johannes 15,13: Niemand hat grössere Liebe als wer sein Leben einsetzt für seine Freunde.)

Dieses Ehepaar hat an etwas anderes geglaubt als an das was wir mit unseren Augen sehen können. Sie glaubten an einen König dem sie mehr gehorchten als den irdischen Machthabern zu dieser Zeit. Sie folgten einem Herrscher dessen Königreich anders ist als alle Königreiche, die es bisher auf der Welt gegeben hatte; ein Königreich bei dem alles etwas umgekehrt läuft. Wer gross ein will, hilft den Armen und Kranken, spricht für die stummen, und setzt sein Leben aufs Spiel, um das eines anderen zu retten.

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