Dies ist ein Ausschnitt aus einem Interview mit Dr. Gordon Neufeld auf tagesanzeiger.ch Diese Worte sprechen mir einfach aus dem Herzen. Ich wünsche mir, dass wir in Terra Vecchia ein Ort werden können, der hilft diese Eltern-Kinder-Beziehung wieder zu stärken.

Und die Bindung an Freunde, an Gleichaltrige, braucht es sie nicht?
Die Behaviouristen dachten eine Weile, Kinder würden egalitäre Werte lernen, wenn sie vor allem mit anderen Kindern zusammen wären. Weit gefehlt! Das führt sogar zu mehr Mobbing, wie man gesehen hat: Den anderen als gleich­wertig zu behandeln, ist die Frucht einer ­gesunden Bindungsentwicklung, die nicht übersprungen werden kann. Freundschaft ja, Beziehungen zu anderen Menschen, Tieren, Orten ja – das ist zu fördern. Aber die Bindung an die sorge­berechtigte Person darf dabei nie untergraben oder gar usurpiert werden. Die heutige «peer orientation» – die Gleichaltrigen-Orientierung – finde ich alarmierend. Sie ist inzwischen fast der ­Normalfall und hat schlimme Konsequenzen fürs emotionale Wohlbefinden der ­Kinder – die später unsichere, ­aggressive Erwachsene werden.
Heisst das, dass Sie externe Kinderbetreuung ablehnen? Oder gar das Schulsystem? Muss die ­Mutter heim an den Herd?
Keinesfalls. Die Fremdbetreuung darf allerdings nicht die Bindung zu den Eltern stören. An vielen Institutionen ist man sich der Relevanz dieser Bindung noch nicht recht bewusst. All die Fragen nach der Qualität einer Schule – nach der Grösse der Räume, nach den Curricula – sind nicht halb so wichtig wie der Erhalt der Bindung an die Person, die für das Kind sorgt. Zugegeben: Es ist eine Herausforderung, den Kindern zu Bindungen zu Lehrern und Klassenkameraden zu verhelfen, die nicht zugleich mit der Bindung zu den Eltern wetteifern. Doch als Grundsatz gilt: Kinder müssen im Kontext ihrer wichtigsten Bezugspersonen aufwachsen, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Darum sind die Grosseltern meist die beste Betreuungslösung.
Und wenn sie älter sind?
Homeschooling erleichtert die Sache schon sehr. Das Kind erlebt so auch keine Trennungsängste und Frustrationen, die Langzeitfolgen haben können. Früher dachte man, Homeschooling produziere Misfits und akademische Minderleister. Heute weiss man auch an den Universitäten: Das Gegenteil ist der Fall! Da, wo ich herkomme, gibts darüber auch gar keine grosse Kontroverse, und man kann locker beide Systeme einsetzen. Das habe ich bei meinen eigenen Enkeln erlebt – es funktioniert.

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