{"id":1292,"date":"2022-10-05T09:28:37","date_gmt":"2022-10-05T07:28:37","guid":{"rendered":"https:\/\/davidmarmet.com\/?p=1292"},"modified":"2022-10-05T09:28:37","modified_gmt":"2022-10-05T07:28:37","slug":"jom-kippur-das-unsichtbare-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/davidmarmet.com\/?p=1292","title":{"rendered":"Jom Kippur &#8211; das Unsichtbare sehen"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute ist Jom Kippur, das grosse Vers\u00f6hnungsfest. Der wichtigste j\u00fcdische Feiertag. Dies war der einzige Tag im Jahr, an dem der Hohepriester ins Allerheiligste eintreten durfte. Dort trat er als Vermittler zwischen Gott und dem ganzen Volk ein. Ein Austausch zwischen Gott und den Menschen fand statt. Als Christen glauben wir, dass Jesus unser ewiger Hohepriester ist, der Mittler in diesem neuen Bund zwischen Gott und Mensch. Der Bund ist in unsere Herzen geschrieben. (Heb\u00e4rer 8)<\/p>\n\n\n\n<p>Solange wir leben, findet ein Austausch mit unserer Umwelt statt. Wir essen, sehen, ber\u00fchren, atmen, h\u00f6ren, \u2026 Obwohl in einem K\u00f6rper direkt nach dem \u00dcbergang in den toten Zustand noch alle Molek\u00fcle vorhanden sind, findet trotzdem kein Austausch mit der Umwelt mehr statt. In derselben Art kann das Innenleben eines Menschen tot sein, weil es nicht mehr mit der unsichtbaren Welt austauscht. Keine Gebete werden mehr gesprochen. Kein Austausch mit unserem Sch\u00f6pfer findet mehr statt.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne starben auch Adam und Eva an dem Tag, als sie von der verbotenen Frucht assen. Ihr Austausch, der im Garten beim gemeinsamen Spaziergang stattfand, wird durch ihr Verlassen des Gartens unterbrochen. Sie sahen einen inneren Wert in einer irdischen Frucht. Die geistlose Frucht sollte sie in einen g\u00f6ttlichen Zustand bringen, obwohl Gott doch Geist ist und in der Unsichtbaren Welt, dem Himmel ist. Sie verbanden einen geistigen Wert mit der Einnahme einer materiellen Frucht, reduzierten ihr Leben auf das Sichtbare, auf ihre f\u00fcnf Sinne. Eine innere Krise, die Scham, ausgel\u00f6st durch eine \u00e4ussere Tatsache, ihre Nacktheit, wird nun von Gott durch ein \u00e4usseres Hilfsmittel, ein Fell, kaschiert. Daf\u00fcr musste aber ein Tier sterben. Der Tod h\u00e4lt Einzug aufgrund einer inneren Krise.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes spricht in Kapitel 3 davon, dass wer an den Sohn glaubt, das ewige Leben hat. Wieder erwarten spricht er dann aber nicht davon, dass wer nicht an ihn glaubt, auch das ewige Leben nicht besitzt. Er spricht davon, dass derjenige das Leben nicht sehen wird. Er sieht das Leben nicht, nicht nur das ewige Leben sieht er nicht, sondern Leben als solches. Leben beginnt im geistlichen Raum, mit den Naturgesetzen, der Information, der Idee, dem Wort. Wer sich dieser Tatsache verschliesst, erkennt das Leben nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Jesus hier das Wort \u201esehen\u201c w\u00e4hlt ist bezeichnend. \u201eDie Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.\u201c sagt uns Spr\u00fcche 9,10. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MPK8KOts7Ic\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MPK8KOts7Ic\">Das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Furcht, \u201ejireh\u201c, hat seine Wurzel im Wort f\u00fcr sehen, \u201era\u2018a\u201c<\/a>. Wenn wir etwas nicht sehen, dann f\u00fcrchten wir es auch nicht. Der L\u00f6we hinter der Mauer k\u00fcmmert uns nicht, solange wir ihn noch nicht entdeckt haben. So beginnt Weisheit mit dem Sehen Gottes. Er ist unsichtbar. Aber er offenbart sich uns als Architekt der Sch\u00f6pfung. Er zeigte sich dem Volk Israel am Berg Sinai und gab ihnen die Thora. Und nicht zuletzt zeigte er sich in Jesus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses gegenseitige Sehen wird besonders bedeutend in der verst\u00f6renden Geschichte von Abraham, der von Gott gebeten wird, seinen einzigen Sohn ihm als Opfergabe zu bringen. Der Ort, an dem dieser Austausch zwischen Gott und Abraham stattfinden soll, heisst \u201eMoriah\u201c, was als \u201eJah ersieht\u201c oder \u201eJah erw\u00e4hlt\u201c \u00fcbersetzt wird. Jah ist die Kurzform des Namens Gottes JHWH. Dort an diesem von Gott ersehenen Berg sollen sie sich treffen. Nachdem der Austausch stattgefunden hat, nennt Abraham den Ort \u201eJHWH Jireh\u201c, oft \u00fcbersetzt als \u201eDer HERR versorgt\u201c oder \u201eDer HERR ersieht\u201c. Es ist dasselbe Wort, dass in Spr\u00fcche 9,10 f\u00fcr \u201eFurcht\u201c gebraucht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Was aber wird ausgetauscht? Abraham wird von Gott aufgefordert, sein Leben, das in seinem Sohn weiterlebt, an Gott abzugeben. Darin zeigt Abraham, dass er mehr Ehrfurcht vor Gott hat als vor Jeglichem, was das Irdische bieten kann. Was gibt Gott daf\u00fcr? Er zeigt sich ihm. Die Geschichte beginnt mit Gott, der nach Abraham ruft und dieser antwortet ihm: Hier bin ich. In dem Moment als Abraham sein Messer bereit h\u00e4lt zum Mord, stoppt der Engel JHWH\u2019s ihn uns sagt: Hier bin ich. Er offenbart sich Abraham und zeigt ihm dadurch seine Ehrfurcht gegen\u00fcber dem Menschen, der ihn so sehr achtet, obwohl er ihn nicht sehen kann. Er f\u00fcrchtet den L\u00f6wen, ohne ihn zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, dass Gott diesen Weg w\u00e4hlt, weil die Menschen zu Abrahams Zeit dachten, dass man Gott auf diese Art begegnen muss. Etwas Materielles mit einem pers\u00f6nlichen Wert wird als Symbol dem H\u00f6chsten gebracht, um zu zeigen, dass ER wertvoller ist als jegliches Irdische. Gott w\u00e4hlt diese menschliche Sprache und ver\u00e4ndert sie Schritt f\u00fcr Schritt in seine Sprache. Abraham gibt er ein Tier statt seines Sohnes, das er darbringen kann. Bei Jesaja fragt Gott bereits anstelle der Opfergabe, nach gerechtem Handeln. Die Opfergabe ist die Willenskraft, die Gott untergeordnet wird. Ein innerer Wert wird ausgetauscht. Bei Jesus endet jegliches opfern, weil er \u00e4usseres und inneres Opfer f\u00fcr ewig erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Derselbe Ort \u201eMoriah\u201c, beziehungsweise \u201eJHWH Jireh\u201c wird sp\u00e4ter der Ort \u201eBethel\u201c, das \u201eHaus Gottes\u201c, an dem Jakob Engel zum Thron Gottes auf- und niedersteigen sieht. Also wieder ein Ort des Austausches zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, zwischen Himmel und Erde. Noch sp\u00e4ter ist es der Tempelberg mit dem Tempel, in den der Hohepriester an Jom Kippur bis ins Allerheiligste gehen darf, um f\u00fcr das ganze Volk einzustehen, den Austausch herzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus ist f\u00fcr uns dieser Hohepriester. Er wird zum \u201eTier\u201c, das unsere Scham bedeckt und den Austausch wieder m\u00f6gliche macht. Er unterordnet seinen Willen dem Willen Gottes. Der Vorhang zum Allerheiligsten ist gerissen. Jesus hat uns Zugang geschaffen zum Leben, das Austausch zwischen Gott und Menschen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist Jom Kippur, das grosse Vers\u00f6hnungsfest. Der wichtigste j\u00fcdische Feiertag. Dies war der einzige Tag im Jahr, an dem der Hohepriester ins Allerheiligste eintreten durfte. Dort trat er als Vermittler zwischen Gott und dem ganzen Volk ein. 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