Jom Kippur – das Unsichtbare sehen

Heute ist Jom Kippur, das grosse Versöhnungsfest. Der wichtigste jüdische Feiertag. Dies war der einzige Tag im Jahr, an dem der Hohepriester ins Allerheiligste eintreten durfte. Dort trat er als Vermittler zwischen Gott und dem ganzen Volk ein. Ein Austausch zwischen Gott und den Menschen fand statt. Als Christen glauben wir, dass Jesus unser ewiger Hohepriester ist, der Mittler in diesem neuen Bund zwischen Gott und Mensch. Der Bund ist in unsere Herzen geschrieben. (Hebärer 8)

Solange wir leben, findet ein Austausch mit unserer Umwelt statt. Wir essen, sehen, berühren, atmen, hören, … Obwohl in einem Körper direkt nach dem Übergang in den toten Zustand noch alle Moleküle vorhanden sind, findet trotzdem kein Austausch mit der Umwelt mehr statt. In derselben Art kann das Innenleben eines Menschen tot sein, weil es nicht mehr mit der unsichtbaren Welt austauscht. Keine Gebete werden mehr gesprochen. Kein Austausch mit unserem Schöpfer findet mehr statt.

In diesem Sinne starben auch Adam und Eva an dem Tag, als sie von der verbotenen Frucht assen. Ihr Austausch, der im Garten beim gemeinsamen Spaziergang stattfand, wird durch ihr Verlassen des Gartens unterbrochen. Sie sahen einen inneren Wert in einer irdischen Frucht. Die geistlose Frucht sollte sie in einen göttlichen Zustand bringen, obwohl Gott doch Geist ist und in der Unsichtbaren Welt, dem Himmel ist. Sie verbanden einen geistigen Wert mit der Einnahme einer materiellen Frucht, reduzierten ihr Leben auf das Sichtbare, auf ihre fünf Sinne. Eine innere Krise, die Scham, ausgelöst durch eine äussere Tatsache, ihre Nacktheit, wird nun von Gott durch ein äusseres Hilfsmittel, ein Fell, kaschiert. Dafür musste aber ein Tier sterben. Der Tod hält Einzug aufgrund einer inneren Krise.

Johannes spricht in Kapitel 3 davon, dass wer an den Sohn glaubt, das ewige Leben hat. Wieder erwarten spricht er dann aber nicht davon, dass wer nicht an ihn glaubt, auch das ewige Leben nicht besitzt. Er spricht davon, dass derjenige das Leben nicht sehen wird. Er sieht das Leben nicht, nicht nur das ewige Leben sieht er nicht, sondern Leben als solches. Leben beginnt im geistlichen Raum, mit den Naturgesetzen, der Information, der Idee, dem Wort. Wer sich dieser Tatsache verschliesst, erkennt das Leben nicht.

Das Jesus hier das Wort „sehen“ wählt ist bezeichnend. „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.“ sagt uns Sprüche 9,10. Das hebräische Wort für Furcht, „jireh“, hat seine Wurzel im Wort für sehen, „ra‘a“. Wenn wir etwas nicht sehen, dann fürchten wir es auch nicht. Der Löwe hinter der Mauer kümmert uns nicht, solange wir ihn noch nicht entdeckt haben. So beginnt Weisheit mit dem Sehen Gottes. Er ist unsichtbar. Aber er offenbart sich uns als Architekt der Schöpfung. Er zeigte sich dem Volk Israel am Berg Sinai und gab ihnen die Thora. Und nicht zuletzt zeigte er sich in Jesus.

Dieses gegenseitige Sehen wird besonders bedeutend in der verstörenden Geschichte von Abraham, der von Gott gebeten wird, seinen einzigen Sohn ihm als Opfergabe zu bringen. Der Ort, an dem dieser Austausch zwischen Gott und Abraham stattfinden soll, heisst „Moriah“, was als „Jah ersieht“ oder „Jah erwählt“ übersetzt wird. Jah ist die Kurzform des Namens Gottes JHWH. Dort an diesem von Gott ersehenen Berg sollen sie sich treffen. Nachdem der Austausch stattgefunden hat, nennt Abraham den Ort „JHWH Jireh“, oft übersetzt als „Der HERR versorgt“ oder „Der HERR ersieht“. Es ist dasselbe Wort, dass in Sprüche 9,10 für „Furcht“ gebraucht wird.

Was aber wird ausgetauscht? Abraham wird von Gott aufgefordert, sein Leben, das in seinem Sohn weiterlebt, an Gott abzugeben. Darin zeigt Abraham, dass er mehr Ehrfurcht vor Gott hat als vor Jeglichem, was das Irdische bieten kann. Was gibt Gott dafür? Er zeigt sich ihm. Die Geschichte beginnt mit Gott, der nach Abraham ruft und dieser antwortet ihm: Hier bin ich. In dem Moment als Abraham sein Messer bereit hält zum Mord, stoppt der Engel JHWH’s ihn uns sagt: Hier bin ich. Er offenbart sich Abraham und zeigt ihm dadurch seine Ehrfurcht gegenüber dem Menschen, der ihn so sehr achtet, obwohl er ihn nicht sehen kann. Er fürchtet den Löwen, ohne ihn zu sehen.

Ich glaube, dass Gott diesen Weg wählt, weil die Menschen zu Abrahams Zeit dachten, dass man Gott auf diese Art begegnen muss. Etwas Materielles mit einem persönlichen Wert wird als Symbol dem Höchsten gebracht, um zu zeigen, dass ER wertvoller ist als jegliches Irdische. Gott wählt diese menschliche Sprache und verändert sie Schritt für Schritt in seine Sprache. Abraham gibt er ein Tier statt seines Sohnes, das er darbringen kann. Bei Jesaja fragt Gott bereits anstelle der Opfergabe, nach gerechtem Handeln. Die Opfergabe ist die Willenskraft, die Gott untergeordnet wird. Ein innerer Wert wird ausgetauscht. Bei Jesus endet jegliches opfern, weil er äusseres und inneres Opfer für ewig erfüllt.

Derselbe Ort „Moriah“, beziehungsweise „JHWH Jireh“ wird später der Ort „Bethel“, das „Haus Gottes“, an dem Jakob Engel zum Thron Gottes auf- und niedersteigen sieht. Also wieder ein Ort des Austausches zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, zwischen Himmel und Erde. Noch später ist es der Tempelberg mit dem Tempel, in den der Hohepriester an Jom Kippur bis ins Allerheiligste gehen darf, um für das ganze Volk einzustehen, den Austausch herzustellen.

Jesus ist für uns dieser Hohepriester. Er wird zum „Tier“, das unsere Scham bedeckt und den Austausch wieder mögliche macht. Er unterordnet seinen Willen dem Willen Gottes. Der Vorhang zum Allerheiligsten ist gerissen. Jesus hat uns Zugang geschaffen zum Leben, das Austausch zwischen Gott und Menschen ist.

from needing to having

The biggest change on the path from a destructive thief to a generous giver is to see yourself as a person that has. You can be poor in material goods and still be a person that has a lot and you can own a lot and still have a needy perspective on your life. 

In 2017 we spent about 10 weeks in Albania. We worked with local churches, did prison ministry and played football with young lads and shared our testimonies. Not far from our homebase there was a great Gelateria. The ice cream there was delicious and cheap for us as Swiss. But one day Josua, our son, wanted to have pastries instead of ice cream and that was a bit more costly. Therefore I hesitated in the first instance, but then told myself to be generous like God had been generous to us in the past weeks. 

We sat down as a family, each of us with a different kind of delicacy in front of us. We shared and passed the sweets around when I saw a bill flying next to us. Josua had seen it simultaneously. I jumped up and got it. It was 500 Albanian Lek which was exactly the amount of money we had spent extra on pastries instead of ice cream. I was in awe and just so thankful for that gift from Pappa God, when the next moment I saw a poor, Roma kid standing, just behind the plant pot that had stopped the bill from flying further. He was just waiting there to receive donations from the visitors of the Gelateria. 

I thought by myself: “Why did God not let the bill fly further to the kid in need? He must have needed it much more than we do.” A scripture came to my mind that I had been wrestling with for a while:

“For everyone who has will be given more, and he will have an abundance. But the one who does not have, even what he has will be taken away from him.”

I always found that such a mean verse. Jesus tells a story about servants that had received possessions from the Master. Some were able to increase what they had received but one had just buried it in the ground to protect it. The Master takes it away from that one and gives it to one that had been able to increase it the most. And then Jesus says this challenging phrase.  

The truth is that we all have something and be it only our hands or minds. We all have been given tools, talents to work with; language, a warming smile, strong arms, quick legs,… If we see that truth we are people that have, if not we are people that have not. At that time in Albania we were people that had, even though we were very tight on money. We saw what we had been given and Sue and I were generously using it to bring some joy to our son. When we received that extra money we knew exactly that it was an extra gift from God to bless us. We were given more and this caused thankfulness in us. 

For the begging boy it might have been just some money that he would have expected from a client of the Gelateria anyway. Not caring if it comes by the wind or the rich guy in the shop. I don`t know. I don’t see into his heart. Only God does. But the fact that he was begging showed a mindset.    

Rich or poor? There’s no objective scale to measure poverty. We can try to compare our wealth with the people in our neighbourhood, country, the world… But two neighbours can have very similar possessions; one sees himself as poor, the other doesn’t. It is primarily a state of mind. 

I really don`t want to belittle the suffering caused by the lack of material goods. And it would be totally out of place to just point to a destructive mindset when hearing a heartbreaking story of an individual suffering in poverty. And I don`t want to belittle the suffering of a materialistically wealthy person suffering from emotional pain caused by lack of healthy relationships, which I heard a story just recently. On a bigger picture view I do believe that poverty is caused by a destructive mindset held by an individual, or a region, or a country. 

In Deuteronomy 15,4 God says to his people that there will be no poor among them anymore. But will that ever be possible? Will there not always be people that compare themselves with others and feel poor? Just seven verses further God then says: “I am commanding you to open wide your hand to your brother and to the poor and needy in your land.”

God himself therefore still expects poor people among them. Following God`s command to give to the needy is as much for the one who gives as to the one in need, because it lifts him out of poverty into a position of a giver. 

In Proverbs 30, 8+9 the writer says: “Give me neither poverty nor riches; feed me with the bread that is my portion. Otherwise, I may have too much and deny You, saying, ‘Who is the LORD?’ Or I may become poor and steal, profaning the name of my God.” Riches can lead to superiority and poverty to stealing which profanes the name of YHWH.

But Jesus can teach us to live on both ends of the scale and still be content as Paul says: 

I am not saying this out of need, for I have learned to be content regardless of my circumstances. I know how to live humbly, and I know how to abound. I am accustomed to any and every situation—to being filled and being hungry, to having plenty and having need. I have strength for all things in the One strengthening me.”

Jesus comes from Bethlehem, the “house of bread” and he says in John 6,33+35: ”For the bread of God is He who comes down from heaven and gives life to the world.”…“I am the bread of life. Whoever comes to Me will never hunger, and whoever believes in Me will never thirst.”

Everything starts in the spiritual and then comes into being into the physical. First is the idea, the information and then the deed, the creation. First we eat from the bread of life: Jesus, showing us how to live, gives us food for our spirits. Then the physical food will come too. 

South Africa – Cooperation

“He who has been stealing must steal no longer, but must work, doing good with his own hands, that he may have something to share with the one in need.” (Eph 4,28 Berean Study Bible)

Lately in our worship time this verse really stirred up something in me. Paul doesn`t just request his audience to work with their own hands to look for their own needs, but the goal is to be able to give to the one in need. 

God made me reflect on my journey of the past 15 years through a dream at the end of April. In that dream a young man, representing my 25-year old self, said something like: “The ‘Swiss’ life design of making money and building up security doesn`t work for me. I followed the recommendation to go the traditional way, but it doesn`t give me life.” I could relate to what he said. 

What’s the meaning behind life if it’s just about making money to survive to then go back to God where we came from in the first place. “Well done my faithful son, you survived earth” Really? 

But God worked a lot in myself during the years. In 2007 I had a strong encounter with the holy spirit and after that I felt called into ministry. In the next step I found myself in the wood workshop, just me and my wood, as I like to say. This wasn’t quite what I expected. But I really had to learn to enjoy the daily task God would lay before me. One was to be there for my family, another was to serve people in their needs for furniture or a feature for their home. And sometimes he would give me a good conversation with someone, but most of the time he would just give me thoughts to work through. 

Then in 2014, seven years later, I remember exactly the morning in January I woke up with great joy to be able to get up and get to work in the workshop. I felt so blessed to have work and a good, quite enjoyable activity to do during my days. That was very unusual for me. And it was the moment when God would start the ministry thing very slowly by a path he took Sue onto. 

The latest step on my journey about work and money was when I read a book of Rabbi Daniel Lapin “Thou shall prosper”. He describes how money actually is the appreciation of a service you have been able to provide for someone else. It is a sign for healthy relationships that honour what you can provide to them by giving you money for your work. And he describes how people like to say when a company donates to a charitable project: “That’s about time that they give something back to society.” … as if they would have been taking away in the first place. No, they created value and jobs that have not been there before.

How much this is true came clear when I saw Migdol. When you see thousands of people without work opportunities and no fulfilling activity, where two thirds of monthly government grant are spent on Alcohol and there is a lot of tension between the ones that have and the ones that don’t. That’s where you see that good corporations are a sign for good relationships. 

The thief takes away without giving anything back, but the one that works with his hands has found someone in need that he can work for. They can cooperate now. And meet needs. The verse in Ephesians 4,28 describes the path from a taker to a giver mentality.

South Africa – Reconciliation

A few weeks ago, shortly before we went to South Africa, I had a dream in which my oldest brother was preaching. But two guys of our church were talking so loud with each other that we all had a hard time understanding him. 

One guy represented Politics because of his job he has in real life. The other one represents War and Superstition because of his name. My oldest brother had been a Jesus figure in my dreams quite a few times already now. Politics, War and Superstition are very dominant “personalities” in South Africa. They are making a lot of noise that makes it hard for the voice of Jesus to be heard. And South Africa has a lot of great preachers, teachers, prophets,…! 

The time when I woke up from the dream led me to the Greek word for “send”. It appears the first time when Herod sends forth to slaughter all the boys in Bethlehem that were two years old or younger. He wanted to make sure that he has no rival in the king that was born to the Jews. He shed a lot of blood but was not successful in his mission. Jesus survived. 

The second time the word appears when the Prince of Peace sends his disciples to declare the kingdom of God being near. As a sign of his power he sent them to heal the sick and raise the dead. What a difference! One comes with the power of fear through the shedding of blood and the other with the power to heal and raise from the dead. 

A similar situation existed within the camp of the jews at the times of Jesus. Different approaches were chosen to fight for freedom and peace. The Zelots built one camp. They wanted to reach freedom by fighting their “oppressors“ with weapons. But Jesus didn`t join in that violent fight. He had a different way of fighting for freedom. Martin Luther King had an opponent in Malcolm X and the Black Panthers. They wanted to reach the same goal but with violent means.  

freedom fighters vs. freedom fighters

With these words I woke up on the 27th of March `22. Opposing approaches on the quest for freedom wrestle for influence in South Africa. The Economic Freedom Fighters EFF for example are a left wing party in South Africa who are fighting for freedom but mainly bringing fear and blood. In Galatians 5 Paul says: 

For freedom Christ has set us free. Stand firm, then, and do not be subject again to the yoke of slavery. … For you were called to freedom, brothers and sisters; only do not use your freedom as an opportunity to indulge your flesh, but through love serve one another. For the whole law can be summed up in a single commandment, namely, „You must love your neighbor as yourself.“

True freedom comes from knowing Christ. We will join the freedom fighters in South Africa that are led by Jesus bringing love, healing, restoration and reconciliation.

Südafrika – unsere Zukunft?

Nach unsere Ankunft in der Schweiz schwirrte uns der Kopf. Alles war so schnell gegangen und war so intensiv gewesen. All die Begegnungen und Eindrücke hatte sich tief in unser Bewusstsein eingegraben und wir sprachen davon im Sommer als ganze Familie nach Südafrika zu reisen und unseren Kindern dieses wunderschöne Land vorzustellen.

„Und jetzt? Wie sieht es heute aus, mehrere Wochen nach eurer Rückkehr? Wollt ihr immer noch dahin?“ – Ja! Wir planen immer noch mit der ganzen Familie in den Sommerferien nach Südafrika zu reisen. Die Ideen, was wir da tun werden, haben sich aber seit unserer Rückkehr etwas geändert. Erst wollten wir „Kurz-Einsatz-Teams“ mit nach Migdol nehmen, um dort ein tolles Programm für die schwarzen Kids anzubieten. Viele weitere Ideen schwirrten in unseren Köpfen herum, aber nicht alle sind hilfreich und umsetzbar in Migdol.

In unseren wöchentlichen Video-Telefonaten mit unseren Freunden Danie und Kathleen, lernen wir immer mehr über dieses grosse Land, in welchem sich die Generationen und Rassen nach Versöhnung sehnen. Selbst in manchen Kirchen ist Apartheit immer noch nicht aus den Köpfen und beeinflusst dementsprechend die Handlungen der Menschen.

Wie können wir Versöhnung bringen? Versöhnung auch innerhalb der Kirche. Wie erreichen wir längerfristig gute Beziehungen die zu Versöhnung und Zusammenarbeit aller Rassen und Denominationen führen und für alle ein Gewinn sind? David liest momentan Bücher über Entwicklungshilfe in Afrika und unsere Frage lautet stets: „Wie könnte unsere Unterstützung / unser Investment aussehen? Was bringen wir mit, das dort Versöhnung bringt?“ Sicher wir sind Schweizer, Diplomatie ist kein Fremdwort für uns 😉 David hat eine tolle Geschäftsidee, die Arbeit und Begegnungsorte schaffen kann.

In all dem beten wir um viel Weisheit. Bete doch mit und teile uns deine Einrücke mit. Wir freuen uns und sind dankbar für einen guten Rückhalt im Gebet.

Wir wünschen uns, dass in Südafrika eine Veränderung geschehen kann und für folgende Generationen eine Grundlage geschaffen wird, auf die sie bauen und aufblühen können. Wir wünschen uns, dass in Südafrika verschiedene Völker im Einklang miteinander, mit ihrer Geschichte und ihrem Land leben können.

Südafrika – ein Blick in eine neue Welt

Dieser Sonntag hatte es in sich, denn als wir uns herzlich von unseren neu gefundenen Freunden verabschiedet hatten, wurden wir abgeholt, um auf eine Farm gebracht zu werden. Nach einer Stunde Fahrt, die uns erst durch Strassen und später dann durch staubige Wege mit riesigen Pfützen führte, fuhren wir auf dem Anwesen der Lindbergh Farm vor. Durch Kontakte von Dritten waren wir mit der Besitzerin verbunden worden und wurden nun hier willkommen geheissen.

Ein wunderschöner Flecken Erden erwartete uns. Hier unter blauem Himmel lernten wir noch mehr Facetten von Afrika kennen. Eine wunderschöne Landschaft und die Geräusche der Wildnis umgaben uns. Eine Weite und Grösse der Landschaft, die wir aus der Schweiz nicht kennen, liess uns nur staunen. Es waren Bilder und Eindrücke, die wir noch lange in unseren Herzen mittragen werden.

Wir lernten die Besitzerin der Farm und die Leidenschaft für Mensch und Tier in ihrem Land kennen und wir verbrachten viel Zeit im Gespräch. Am Abend waren unsere Herzen so voll, dass wir uns um ein verstimmtes Klavier direkt neben einem Löwenfell mitsamt Kopf setzten und Gott die Ehre gaben. Wer sonst hätte diese Reise so führen und fügen können?

Unser Aufenthalt wurde sogar noch um einen Tag verlängert, da der Regen wieder einsetzte und die Strasse unpassierbar machte. So fuhren wir einen Tag später als geplant mit dem Bus wieder nach YWAM Potch und unsere Gedanken wanderten von all den Erlebnissen und Begegnungen zu dem Zerriss in dem dieses Land steht. Die Apartheit gehört eigentlich der Vergangenheit an und doch spielt sie bis heute eine grosse Rolle und hat Einfluss auf die Politik und das Zusammenleben der Menschen. Dieser Zerriss zwischen Schwarz und Weiss ist für uns Europäer schwer zu verstehen. Warum ist es so schwierig zusammen zu arbeiten?

Und schon war es Zeit uns wieder auf den Weg zum Flughafen zu machen um einen langen Flug in die Schweiz anzutreten. Voller Eindrücke, Ideen, Inspiration und Staunen über Gottes Führung während dieser Zeit bestiegen wir das Flugzeug. Wie würde unser Abenteuer „Südafrika“ weitergehen?

Südafrika – Migdol

Nach zwei Tagen „on the road“ hatten wir endlich Migdol gesehen!

Am Abend, zurück im Gästehaus, waren wir so müde, von all den Einrücken der letzten Tage und Stunden, dass wir zu müde waren um zu Denken und doch schlummerte die Frage unterschwellig in uns: „Und jetzt? Warum sind wir hier? Was hat dieser abgelegen Ort mit uns zu tun? Was will Gott uns hier zeigen?“

Nach einem Ruhetag, wo wir die Umgebung nur zu Fuss erkundeten, waren wir bereit für den Sonntag. Wir wollten unbedingt den Gottesdienst in Migdol besuchen, denn am Freitag hatten wir die Pastorin vor Ort kennengelernt und ihr versprochen um 09:00 Uhr vor ihrer Kirche zu stehen. Wir erhofften uns, Farmer aus Migdol kennenzulernen, um uns mit Ihnen unterhalten zu können. Aber an besagtem Sonntag wollte uns partout kein Taxi – afrikanisches Taxi versteht sich – nach Migdol fahren. Entweder hielt keines an oder dann war der Preis völlig überrissen – anscheinend sehen wir aus wie Europäer 🙂

Kurz vor 09:00 Uhr kehrten wir wieder zu unserem Gästehaus zurück um der Pastorin von Migdol zu melden, dass wir es nicht zu ihr in den Gottesdienst schaffen würden. Aber was nun? Unsere Pläne wurden ganz schön über den Haufen geworfen. Beim Gästehaus halfen wir erst unserer Vermieterin ihre Hasen, die ausgebüxt waren, wieder einzufangen. „Ach was, ihr könnt nicht nach Migdol in den Gottesdienst? Wollt ihr dann mit mir mitkommen?“ So landeten wir, statt in Migdol im Gottesdienst der Gemeinde „Ligpunt Gemeenskap Schweizer-Reneke“.

Am Ende des Gottesdienstes, von dem wir nur einzelne Wörter verstanden hatten, fragte die Pastorin, ob die Gemeinde uns segnen dürfe. Natürlich sagten wir nicht „Nein“ zu einem „Segen“ und gingen nach Vorne. Wir teilten kurz mit warum wir hier waren und dann wurde für uns gebetet.

Ein junges Ehepaar aus der ersten Reihe war sehr berührt von unserem Erzählen und sie wollten sich sehr gerne mit uns treffen. Zu unserer Überraschung kam dieses Paar aus Migdol und sie luden uns spontan zum Mittagessen ein. So kamen wir am Sonntag doch noch nach Migdol und erst noch auf eine Farm! Unglaublich!

Aber es gab noch mehr zu Staunen. Auf der Fahrt zur Farm erfuhren wir, dass den beiden Bildung ein grosses Anliegen ist und sie sich insbesondere mit dem Thema „Homeschooling“ befassen. Sie beten schon seit längerem für eine Veränderung in ihrer Umgebung. Ihnen liegt die Versöhnung zwischen den Menschen insbesondere der schwarzen und weissen Menschengruppe auf dem Herzen. So vieles das auch uns bewegt…

Das kann nur Gott gewesen sein, der uns so zusammengeführt hat.

Seit dieser ersten gemeinsamen Begegnung, beten wir zu viert ein Mal in der Woche zusammen und suchen Gott und seinen Willen für diesen Ort.

Südafrika – wir kommen!

Nach einem langen Flug hatten wir endlich südafrikanischen Boden unter den Füssen. Wir wurden am Flughafen in Johannesburg abgeholt und unsere erste Nacht verbrachten wir auf der YWAM Base in Potchefstroom. Wir waren sehr dankbar für diesen Kontakt, denn wir fühlten uns sehr willkommen und unterstützt von Familie Vorster.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zur Busstation um möglichst nahe an Migdol heranzufahren. Reisen in Südafrika ist ein anderes Thema, welches in sich selbst einen Blogeintrag wert wäre. Ich glaube am einfachsten zusammengefasst ist das Thema mit dem Satz: „Die Zeit gehört nicht dir“ 🙂

Das Gefühl als wir aus dem Bus ausstiegen, vergesse ich wohl mein ganzes Leben lang nicht. Der Bus liess uns bei einer Kreuzung einem Stopp-Schild aussteigen und brauste davon. Da standen wir nun in der heissen Mittagssonne und drehten uns um einmal im Kreis um uns zu orientieren. Ich hatte das Gefühl David und ich fallen auf wie bunte Hunde. Ich kam mir sehr verletzlich und verloren vor. Wie klein wir doch waren und wie riesig gross und fremd dieses Land!

Wir schulterten unsere Taschen und machten uns auf den Weg zum Gästehaus, das wir für zwei Nächte gebucht hatten. Unterwegs hielten wir Ausschau nach einem Taxi, das uns später nach Migdol fahren würde. Dies sahen wir als einzige Möglichkeit um an unser Ziel zu gelangen.

Unser Fussweg führte uns an einer Kirche vorbei und David überlegte laut, ob dies wohl die Kirche sei von einem Pastor mit dem er kurz Kontakt gehabt hatte, aber plötzlich keine Antwort mehr erhielt. Von Menschen wurden wir hereingewunken, als wir den Namen des Pastors nannten und wirklich, im Inneren des Gebäudes, stellte sich ein Mann als Pastor Ekkerd vor. Er servierte uns ein einfaches Mittagessen und setzte sich mit uns an einen Tisch. Wir kamen ins Gespräch und bald bot er uns an, uns am Nachmittag mit dem Auto nach Migdol zu fahren. Das war mehr als wir zu hoffen gewagt hatten. Schon am ersten Tag hatten wir die Chance nach Migdol zu fahren und erst noch mit jemandem, der die Gegend hier in- und auswendig kannte.

So richteten wir uns kurz im Gästehaus ein und wurden dann abgeholt. Auf der Fahr nach Migdol erfuhren wir viel über die Gegend, deren Bewohner und über die Gepflogenheiten dieses Landes. Wir fuhren neben Baumwoll- und Sojafeldern vorbei, an hohen Maispflanzen und verschiedenen Arten von Antilopen. Schon von Weitem sahen wir die grossen Silos von Migdol. Darin wird Mais und Getreide gelagert. Nebst diesen Silos gibt es ein paar Häuser in der näheren Umgebung und einen Laden mit landwirtschaftlichen Geräten. – Ich kam mir vor wie in einer Landi in der Schweiz 🙂 – Weiter gibt es noch viele kleine Häuser, die von der Regierung gebaut wurden, um Menschen mit wenig oder keinem Einkommen unterzubringen. Jeden Monat erhalten die Bewohner dieser Siedlung Geld vom Staat, um sich das Nötigste kaufen zu können. Für die Kinder aus den Regierungsgebäuden gibt es vor Ort eine Schule aber für die Erwachsenen gibt es wenig bis gar keine Arbeit. Migdol ist umgeben von riesigen Landflächen, die den umliegenden Farmern gehören.

Das war das Migdol, das wir am ersten Tag kennenlernten.

Südafrika – und jetzt?

Ja, was sollten wir nun tun mit diesem Migdol in Südafrika? Einfach mal so hinfahren? Ist ja nicht gleich um die Ecke…

… und doch liessen uns diese Worte, die wir mitten in der Nacht erhalten hatten, nicht los. Mit der Zeit setzten sich immer mehr Puzzleteile zusammen. Über JMEM (Jugend mit einer Mission) bekamen wir Kontakt zu Menschen die „in der Nähe“ von Migdol leben. Diese wiederum gaben uns weitere Kontakte an und David stand schon bald in Mailkontakt mit mehreren Personen.

Schon vor längerer Zeit lernten wir jemanden kennen, der uns von „Farming Gods Way“ erzählte und was für grossartige Erfolge mit dieser Art Landwirtschaft zu betreiben, erzielt wurde. Könnte dies etwas sein, das nach Migdol passen würde?

Immer stärker wurde uns bewusst, dass wir uns nur vor Ort ein Bild machen konnten. So planten wir innerhalb von wenigen Tagen einen Aufenthalt in der Nähe von Migdol. Wir hatten nur ein kurzes Zeitfenster für unserer Reise, doch wir sagten uns: „Lieber kurz als gar nicht.“

So brachten wir unsere Kinder unter und machten uns mit grossen Erwartungen, aber auch mit zitternden Knien, auf den Weg nach Afrika.

Dieser Gedanke, dass es in Südafrika gefährlich ist, hatte sich in meinem Kopf irgendwie festgesetzt und in meinem Kopf herrschte ein Kampf der Gedanken. Welcher Stimme schenkte ich Gehör? Derjenigen, die mir Angst machen wollte, oder der anderen Stimme, die mir zuflüsterte: „Vertraue mir. Entspann dich. Ich stärke dir den Rücken.“

Der schwierigste Punkt unserer Reise war für mich unsere Kinder zurückzulassen. Der Abflug von Zürich fühlte sich für mich an als würde ich mich nochmals von ihnen verabschieden. Mitnehmen wollte ich sie aber auch nicht, da ich immer noch das Gefühl hatte, wir fliegen in ein gefährliches Land.

Ganz viele Fragen gingen mir durch den Kopf: Würde es meine Kindern gut gehen? Was wäre, wenn sie sich verletzen würden und ich wäre nicht da? Was wäre, wenn uns etwas zustossen würde? Was wäre, wenn jemand von uns krank werden würde? Was wäre, wenn wir nicht rechtzeitig zurückreisen könnten? Was wäre, wenn…? All diese Sorgen stürzten auch mich ein. Da kam mir ein Zitat einer Romanfigur aus einem Buch, welches ich kürzlich gelesen hatte, in den Sinn.: „Dass wir die Kontrolle haben ist eine Illusion. Wenn alles im gewohnten Gang geht, wiegen wir uns in Sicherheit und denken wir hätten die Dinge unter Kontrolle. Doch das ist eine Täuschung.“

Ich würde mein Leben und das Leben unserer Kinder nicht mehr oder weniger unter Kontrolle haben, selbst wenn ich in der Schweiz bleiben würde und so liess ich bewusst los und flüsterte: „Ich vertraue Dir.“

Südafrika – wie alles begann

Die letzten Tage verbrachten David und ich in Südafrika. „Schön, macht ihr da Ferien?“, fragte mich eine Frau aus dem Bekanntenkreis. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich ihr darauf antworten sollte. Waren es wirklich Ferien, die wir dort verbrachten? „Nein, auf keinen Fall… und doch auch ein bisschen…“ Wie kommt es dazu, dass wir unsere Kinder in der Schweiz zurücklassen und für ein paar Tage auf einen anderen Kontinent fliegen nur um dort eine Ortschaft aufzusuchen, die nicht einmal mit einem öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar ist? Eine Ortschaft niemand kennt? Wir eingeschlossen 🙂 – Dazu muss ich wohl etwas ausholen.

Im Oktober 2021 wachte ich eines Nachts mit dem Wort SÜDAFRIKA vor meinen Augen auf. Draussen regnete es und im Halbschlaf betete ich für Regen in Südafrika. – Keine Ahnung, ob ich den Bewohnern dieses Landes einen Gefallen tat damit oder nicht – Mein innerer Dialog mit Gott war: „Du schickst uns nicht echt dorthin, oder? Dort ist es gefährlich!“ – „Aber auch wunderschön“, meinte ich eine Stimme in meinem Inneren sagen zu hören. „Wenn das so ist, musst Du Dich um alles kümmern: Reise, Kontakte, Flüge, Geld,… schlichtweg ALLES“. Damit war das Thema Südafrika für mich abgeschlossen. Was sollten wir an einem unbekannten Ort, an dem wir niemanden kannten? Was für eine verrückte Idee! Und doch horchte ich in den nächsten Tagen jedes Mal auf, wenn irgendwo das Wort Südafrika fiel.

Wenige Tage später während der Anbetungszeit meinte jemand aus der Gruppe: „Ich habe das Gefühl, dass manche auf einem sinnbildlichen Berg stehen aber sie wollen nicht auf den nächst höheren Berg, weil dies bedeutet ins Tal hinabzusteigen, um dann den anstrengenden Aufstieg in Angriff zu nehmen.“ Innerlich dachte ich: „Ja, ich bin gerne auf dem Berg in der Nähe Gottes, aber vielleicht ist es gut hinabzusteigen.“ Beim Abstieg fühlte es sich an als würde ich etwas entdecken, das Gott auf dem Herzen liegt. Da kam mir einen Bibelstelle in den Sinn aus Lukas 10, 2: „Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Wen soll ich senden?“ Mit dieser Frage wurde ich in meine Jugendzeit zurück katapultiert. Damals hörte ich eine CD rauf und runter und sang bei allen Liedern mit, ausser bei einem; denn da sang der Sänger: „Here am I send me“ (Hier bin ich sende mich). Da sang ich nie mit, denn wer weiss schon, was Gott vorhat. Er könnte mich ja nach Afrika in den Busch schicken und dort müsste ich ein Leben mit lauter Entbehrungen führen und das wollte ich auf keinen Fall!

Und hier stand ich nun, 20 Jahre später, und es war als würde Gott mich fragen: „Bist du bereit zu gehen? Egal wohin ich dich sende? Darf ich dich senden?“ Was für eine Frage! Ich führte einen inneren Dialog mit Gott und sagte mit Tränen in den Augen: „Du weisst, dass ich nicht Nein sagen kann. Aus Liebe zu Dir werde ich es tun. Nicht weil ich muss, nicht weil ich gehorsam sein will, sondern einfach weil ich Dich liebe. Du hast Dich in den letzten Jahren als vertrauenswürdig erwiesen. Ich vertraue Dir auch wenn ich Angst habe. Du kannst mich senden.“ Ich wusste es würde mich extrem viel viel kosten, aber ich wusste auch, wenn ich es nicht tun würde, würde ich es für immer bereuen.

Etwas später kam mir wieder in den Sinn, was ich vor wenigen Nächten geträumt hatte – Südafrika. Echt jetzt? Was hatte Gott nur vor mit uns? Was sollten wir dort? Wo genau sollten wir hin?

Wenige Nächte später wachte David auf mit einem Lied von Martin Pepper „Du bist ein starker Turm, Du bist das Auge im Sturm…“ und dem Wort „Migdol“. Nach ersten Nachforschungen fand er heraus, dass Migdol auf hebräisch Turm bedeutet und zu unserer Überraschung gibt es einen Ort in Südafrika, der Migdol heisst.

Gespannt beteten und warteten wir, wie Gott uns weiterführen würde.